CLOPPENBURG - Die Bekämpfung der Schweinepest hat am Dienstag und Mittwoch das Veterinäramt des Landkreises Cloppenburg im Rahmen einer landesweiten Tierseuchenübung geprobt. Angenommen wurde ein Seuchenausbruch in einem Bestand mit 230 Sauen in der Gemeinde Bösel.
Klinische Untersuchungen
Gleich nachdem in dem Übungsszenario am Dienstagmorgen der Verdacht auf Ausbruch der Schweinepest gemeldet worden war, wurde vom Veterinäramt der Krisenstab im Keller des Kreishauses zusammengerufen. Amtstierärzte wurden zu dem betroffenen Betrieb geschickt, um die erforderlichen klinischen Untersuchungen und die Probennahme durchzuführen.
Parallel wurden die Kontaktbetriebe ermittelt sowie ein Verdachtssperrbezirk im Dreikilometerradius eingerichtet. „Eine besondere Herausforderung der Übung bestand darin, dass der Ausbruchsbetrieb Teil eines Produktionssystems mit 14 Betrieben ist und somit viele Kontaktbetriebe zu berücksichtigen waren“, erläutert der Leiter des Veterinäramtes Dr. Karl-Wilhelm Paschertz.
Krisenstab im Kreishaus
Als am Mittwochmorgen erste Untersuchungsergebnisse vom Veterinärinstitut des LAVES in Oldenburg den Verdacht bestätigten, musste vom Krisenstab noch für denselben Tag die Tötung des Ausbruchsbestandes organisiert werden. Bezüglich der hierfür erforderlichen Absperrmaßnahmen erfolgte eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei.
Im weiteren Verlauf war die Tötung von nochmals 3000 Sauen und 10 000 Ferkel in Kontaktbetrieben zu planen. Für das Sperrgebiet wurde ein sofortiges „Stand still“ verfügt, so dass keine weiteren Tierbewegungen erlaubt waren. Von dem angeordneten „Stand still“ waren in dem Übungsszenario 92 Betriebe mit knapp 75 000 Schweinen betroffen.
„Diese Zahlen machen deutlich, welche Dimensionen ein Ausbruch der Schwei-nepest im Landkreis Cloppenburg schnell annehmen könnte“, so Paschertz. Erstmalig wurde im Rahmen der Übung auch überlegt, inwieweit eine psychosoziale Betreuung der betroffenen Familien und der Einsatzkräfte auf den Betrieben erforderlich ist. Wegen der oft traumatischen Erlebnisse und der mit einem Seuchenausbruch häufig einhergehenden Existenzängste wurde der Einsatz des Kriseninterventionsteams mit ausgebildeten Notfallseelsorgern übereinstimmend als sinnvolles Hilfsangebot angesehen.
Personelle Herausforderung
„Die Übung hat erneut gezeigt, dass die Seuchenbekämpfung im Landkreis Cloppenburg aufgrund der hohen Viehdichte eine personelle und logistische Herausforderung darstellt“, resümiert Paschertz. Bei der Geflügelpest Ende 2008/Anfang 2009 habe sich die Geflügelseuchenvorsorgegesellschaft (GESEVO), die die Tötung der Tierbestände sowie die Räumung und Desinfektion übernommen hat, ausgezeichnet bewährt. Es sei deshalb wünschenswert, wenn eine ähnliche Organisation auch für den Schweine- und Rinderbereich aufgebaut würde, so der Veterinäramtsleiter.
