CLOPPENBURG - Monatelang hat eine – unter anderem der Wirtschafts- und Finanzkrise geschuldete – Verkaufsflaute auch dem hiesigen Automobil-Handel den Wind aus den Segeln genommen. Doch seit Ende Januar fegt ein von der Bundesregierung ausgelöster Orkan namens „Umweltprämie“ durch die Verkaufsräume, der Händler und Kunden strahlen lässt.
„Rabatte“ bis zu 30 Prozent
Und so funktioniert’s: Pro mindestens neun Jahre altem Altauto, das entsorgt und gegen einen Neu- oder Jahreswagen eingetauscht wird, gibt es vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eine im Volksmund auch „Abwrackprämie“ genannte Zahlung von 2500 Euro: Bei günstigen Kleinwagen entspricht das einem „Rabatt“ von bis zu 30 Prozent.
„Zurzeit habe ich keine sofort verfügbaren Twingos und Clios mehr“, sagt Georg Kellermann, Inhaber des gleichnamigen Bakumer Renault-Händlers über seine Verkaufsschlager im Preis-Segment bis zu 10 000 Euro. Ausverkauft ist auch Skoda Eckert in Cloppenburg im Kleinwagensegment. „Kunden, die jetzt zu uns kommen, können aber mit einer äußerst zeitnahen Abwicklung ihrer Bestellung rechnen“, sagt Verkaufsberater Manuel Tepe.
Weil er sich Ende vergangenen Jahres mit einer ordentlichen Fuhre des koreanischen Kleinwagens „Kia Picanto“ eingedeckt hat, verfügt der Cloppenburger Vertragshändler Riemann jetzt noch über einen ordentlichen Lagerbestand, erklärt Geschäftsführer Dirk Riemann. Allgemein laufe zurzeit alles im Korridor zwischen acht- und zwölftausend Euro sehr gut. Im höherpreisigen Segment komme die Umweltprämie dagegen kaum zum Tragen. So hat Riemann, seit Jahrzehnten auch Volvo-Vertreter, bislang erst einen Wagen der schwedischen Traditionsmarke auf diesem Wege verkauft.
Preise könnten steigen
Sehr gute Verkaufszahlen meldet auch Mercedes Lüske in Cloppenburg – obwohl der „gute Stern auf allen Straßen“ keine besonders günstigen Kleinwagen im Sortiment hat. Besonders die einjährigen A- und B-Klassen liefen im Zuge der Umweltprämie gut, berichtet Franz-Josef Grüß. Der Lüske-Verkaufsleiter rät den Kunden, sich schnell zu entscheiden, in Anbetracht der gestiegenen Nachfrage sei ein Preisanstieg für Jahreswagen wohl unausweichlich.
Eine sehr rege Nachfrage beobachtet auch Alfons Schrandt, Geschäftsführer der Cloppenburger Südbeck-Gruppe, die die Marken Volkswagen, Seat, Audi und Skoda vertreibt. Beispielsweise sei der kleine – in Brasilien gebaute – VW Fox mit einem Listenpreis um die 10 000 Euro „sehr gut gelaufen“. Auch „des Deutschen liebstes Kind“, der Golf, habe in seiner just ausgelaufenen fünften Auflage als Jahreswagen für prima Umsätze gesorgt. Schrandt: „Wir haben noch Ware, die allerdings knapp wird. Wir sind dabei, Ersatz zu beschaffen.“
Unterschiedliche Qualität
Die Qualität der angelieferten Altfahrzeuge ist im Übrigen höchst unterschiedlich: So trennte sich zum Beispiel ein Kunde von VW und Skoda Eckert in Cloppenburg relativ emotionslos von seinem Golf III: Das Fahrzeug, das ihn ein Jahrzehnt lang mehr oder weniger zuverlässig befördert hatte, war allerdings schon 16 Jahre alt und wies eine Laufleistung von 318 000 Kilometern auf.
Nicht unbedingt ein Fall für die Presse war dagegen ein scheckheftgepflegter 99er Skoda Octavia TDI mit 120 000 Kilometern auf der Uhr. „Das tut einem schon in der Seele weh, wenn solch ein Auto verschrottet wird“, sagte der Händler, der namentlich nicht erwähnt werden wollte.
Pkw-verkäufer übernehmen Formalitäten für Kundschaft
