Cloppenburg/Vechta - Die Zahlen der Berufspendler in den Kreisen Cloppenburg und in Vechta haben neue Höchststände erreicht. Auf dem Weg zur Arbeit verließen im vergangenen Jahr in Cloppenburg (169 348 Einwohner) rund 45 000 Menschen die Grenzen des Kreises – das sind 62 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. In Vechta (141 598 Einwohner) ist die Zahl um 86 Prozent, also auf 44 000 Menschen, angestiegen. Das teilte die IG Bauen-Agrar-Umwelt mit. Sie beruft sich dabei auf eine aktuelle Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Gewerkschafterin Gabriele Knue spricht von einem alarmierenden Trend. Eine Hauptursache für den Pendel-Boom sei der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in den Groß- und Unistädten. „Eine wachsende Zahl von Menschen kann sich die hohen Mieten und Immobilienpreise in der Stadt nicht mehr leisten. Aber dort sind in den letzten Jahren besonders viele Jobs entstanden“, sagt die Bezirksvorsitzende der IG Bau Nordwest-Niedersachsen.

Strecken von mehr als 50 Kilometern bis zum Arbeitsplatz seien für viele Pendler aus den Kreisen Cloppenburg und aus Vechta gang und gäbe, betont Knue. „Dabei geht nicht nur wertvolle Zeit für Familie, Freunde und Hobbys verloren. Auch die Umwelt leidet unter der Fahrerei.“ Nach Angaben des Umweltbundesamtes geht knapp ein Fünftel aller CO²-Emissionen in Deutschland auf das Konto des Verkehrs.

Die IG Bau warnt vor einer Zunahme der Pendlerzahlen, sollte sich das Wohnen noch weiter vom Arbeiten entfernen. Nötig sei eine drastische Wende in der Wohnungsbaupolitik. „Die öffentliche Hand muss viel mehr als bisher investieren, um bezahlbaren Wohnraum in den Metropolen und Ballungsräumen zu schaffen. Es fehlen vor allem Wohnungen im sozialen und im bezahlbaren Segment“, so Knue.

Massive Investitionen seien aber auch im Bereich der Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar, um Pendler zu entlasten. „Vor allem beim Schienen-, Straßen- und Radwegenetz ist der Nachholbedarf groß“, macht Knue deutlich. Einen entscheidenden Beitrag gegen den „Pendel-Frust“ könnten zudem die Firmen leisten – indem sie es ihren Beschäftigten leichter machen, in Gleitzeit oder im Home-Office zu arbeiten.


Die Pendler-Problematik im Landkreis Cloppenburg ist Teil eines bundesweiten Trends: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit pendelten im Jahr 2018 39 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in eine andere Stadt oder einen anderen Kreis.