CLOPPENBURG - Die Massenkeulung von 570 000 Puten im Landkreis Cloppenburg im Dezember vergangenen Jahres ist nach Meinung von Johan Mooij (Wissenschaftsforum Aviäre Influenza/Duisburg) und Sievert Lorenzen (Universität Kiel) überzogen und teilweise unnötig gewesen. Cloppenburgs Landrat Hans Eveslage (CDU) weist diesen in einem NDR-Rundfunkbericht verbreiteten Vorwurf in einem Gespräch mit der NWZ vehement zurück.

Frage: In den vergangenen Wochen ist immer wieder der Vorwurf laut geworden, dass die Massenkeulung ausschließlich einer Marktbereinigung gedient habe. Zu viele Puten sollen am Markt gewesen sein und deshalb die Preise im Keller . . .

Eveslage: . . . das ist absurd. Bei der Entscheidung über die Tötung der etwa 570 000 Puten im Landkreis Cloppenburg sind ausschließlich tierseuchenrechtliche und veterinärfachliche Gesichtspunkte beachtet worden. Die möglichen Auswirkungen auf den Markt haben dabei keine Rolle gespielt . . .

Frage: . . . Johan Mooij vom Wissenschaftsforum Aviäre Influenza erhebt den Vorwurf, dass die Tiere laut Geflügelpestverordnung auch hätten geschlachtet und normal verkauft werden können . . .

Eveslage: . . . das ist eine theoretische Alternative, bei uns in der Praxis aber nicht durchführbar. Wir haben uns auf Grund der hohen Tierdichte für die Keulung entschieden. Außerdem fand sich kein Schlachthof, der die kranken Tiere geschlachtet hätte, dieser wäre sofort mit Marktrestriktionen belegt worden. Und wenn einer gefunden worden wäre, hätten wir die kranken Tiere durch den Landkreis transportieren müssen – durch Federn und Staub übertragen, hätte sich das Virus ungehindert ausbreiten können. Außerdem frage ich: Wer hätte in der damaligen Situation dieses Fleisch zu marktüblichen Preisen abgenommen? Es wäre bei den großen Einzelhandelsketten doch sofort aus den Regalen genommen worden. Wir haben da reichlich Erfahrungen aus den Zeiten der Schweinepest.


Frage: Nochmal: Das niedrigpathogene Virus H5N3 soll für den Menschen völlig ungefährlich sein, und für die infizierten Tiere nach Ansicht von Mooij und Lorenzen lediglich eine Art Schnupfen. Ist da nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen worden?

Eveslage: Auf Grund der sehr hohen Geflügeldichte im Kreis Cloppenburg, der höchsten in ganz Deutschland, ist eine Mutation des Virus zu dem gefährlichen Typ H5N1 – mit unvorstellbaren Auswirkungen auf die gesamte Region und darüber hinaus – zu befürchten gewesen.

Frage: 14 Millionen Euro – knapp die Hälfte davon aus Steuerzahler-Mitteln – hat die Tierseuchenkasse bezahlt, davon sechs Millionen als Entschädigung für die betroffenen Landwirte. Gehässige Geister sprechen von einer Abwrackprämie für Puten.

Eveslage: Das ist tatsächlich gehässig und auch falsch. Sämtliche Maßnahmen sind in enger Abstimmung mit den Experten aus dem Landwirtschaftsministerium in Hannover und mit den Fachleuten des Friedrich-Löffler-Institus angeordnet worden. Die Tierseuchenbekämpfung war genau richtig. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen wird uns bei einem Besuch an diesem Donnerstag in Cloppenburg ausdrücklich dafür loben.