CLOPPENBURG - Die Ernährungswirtschaft muss dem Verbraucher klar sagen, wie Lebensmittel heutzutage hergestellt werden und ihm beispielsweise nicht etwas von glücklichen Kühen auf der Alm oder von Omas Backstube vorgaukeln. Darüber sollten die Vorteile der industriellen Herstellung Stichwort Hygiene deutlicher herausgestellt werden, sagte Professor Dr. Ulrich Nöhle am Donnerstag im Cloppenburger Kreishaus. Der Braunschweiger Honorarprofessor hielt einen Vortrag zum Thema Die Zukunft der Ernährungswirtschaft unter dem Aspekt der sich ändernden Verbraucheransprüche in der Lebensmittelproduktion. Zu der Veranstaltung des Niedersächsischen Kompetenzzentrums Ernährungswirtschaft (Nieke) waren rund 80 Fachbesucher gekommen.
Alle so Nöhle weiter wollten zurück zur Natur nur nicht zu Fuß. Unsere Überflussgesellschaft der Reichen und Dicken gerate zunehmend in eine Art Wahrnehmungszwiespalt. Der Verbraucher wolle Bio, er kaufe jedoch beim Discounter. Er beschwere sich über die Massentierhaltung, doch nehme er gerne das Brathähnchen für 2,99 Euro.
Der Verbraucher wolle sich glauben machen, die gute Katen-Rauchwurst käme von einem Fachwerkbauernhof in der Region und nicht aus der Fabrik. Er hinterfrage weniger technische Mängel, denn ethische Zusammenhänge: Fair Trade, Energiepflanzen versus Lebensmittelpflanzen, Patente auf genetische Veränderungen, Verzehrfrequenz von Fleisch bis hin zum Warenterminhandel von Lebensmittel-Rohstoffen.
In Zeiten, in denen die Medienlandschaft nicht nur durch Print, Radio und Fernsehen, sondern auch durch das Internet (Nöhle: Social Media: Jeder quatscht mit jedem über alles) geprägt werde, sei es unabänderlich, dem Verbraucher die Realität zu präsentieren. Die meisten der jüngsten Lebensmittelskandale seien keine Kontaminanten-Skandale, sondern Kommunikationsskandale gewesen. Wer Fleisch essen will, muss nun einmal Tiere töten. Und die Produktion von tierischem Eiweiß braucht einfach 20-mal soviel Fläche wie die von pflanzlichem.
Darüber hinaus sprach noch Professor Dr. Eberhard Haunhort (Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) unter dem Titel Krisenkommunikation in der Ernährungswirtschaft aus Sicht der amtlichen Überwachung. PR-Berater Dr. Wolfgang Griepentrog (Leichingen/Rheinland) gab Tipps zum Thema Das Glaubwürdigkeitsprinzip Wie Lebensmittelunternehmen Vertrauen aufbauen.
