Cloppenburg - Die „Homann“-Lösung macht die Runde. Produktionsstandorte werden in Regionen nicht fern von den Grenzen zu Polen verlagert. Der Dissener Lebensmittelhersteller gibt den Standort südlich von Osnabrück auf und baut in Leppersdorf. Und jetzt verlagert Intersnack Knabber-Gebäck, das Marken wie funny-frisch, Chio oder Pombär führt, Teile der Produktion von Cloppenburg nach Krieschow. Spreeback GmbH heißt dort das Werk. Zwischen Krieschow – ganz in der Nähe hat übrigens auch das Moorgut Kartzfehn große Teile seiner neuen Elterntierfarmen – und Leppersdorf liegt nur ein riesiges Kohleabbaugebiet. Die Lohnkosten sind in Brandenburg oder Sachsen deutlich niedriger als in Niedersachsen. So hieß es schon bei Homann. Von 20 Prozent Differenz ist bei Intersnack die Rede.

Bei der Betriebsversammlung am Freitag hat die Geschäftsleitung der Intersnack den noch vorhandenen 64 Mitarbeitern die fehlenden Perspektiven für die Pellet-Produktion in Cloppenburg erläutert. Ein wirtschaftlicher Betrieb des Werkes sei angesichts einer preisaggressiven Konkurrenz aus Osteuropa nicht mehr möglich. Hinzu kämen deutlich gestiegene Kosten beim Export der in Cloppenburg produzierten Pellets.

Eine massive Umstrukturierung griff schon 2016 in Cloppenburg, als von 140 Stellen fast 80 verlagert wurden, was die Handlungsoptionen eines Konzerns deutlich aufzeigt. Intersnack baute sein Geschäft mit erdnusshaltigen Snacks um und dünnte deshalb seine Produktion in Cloppenburg aus. Die Pfeifer&Langen-Tochter („Diamant“-Zucker) stellte hier am Werner-Eckart-Ring ab Mitte 2016 ausschließlich Halbfabrikate (sogenannte Pellets) für die Weiterverarbeitung in anderen Werken her. Alle übrigen Produktionsanlagen wurden in das niederländische Lelystad und nach Schwerte verlagert. Seither stehen in Cloppenburg mehrere riesige Hallen leer; zur Produktion wird nur ein kleiner Bereich genutzt.

Das Cloppenburger Werk wird jetzt vollkommen geschlossen und auch die restliche Produktion verlagert. „Diese Planungsentscheidung ist leider notwendig. Doch die Entwicklung auf den internationalen Märkten lässt uns keine Wahl“, so Intersnack-Geschäftsführer Jan van den Broek aus der Kölner Zentrale. Alle 64 Arbeitsplätze gehen bis zum Frühjahr 2019 verloren. Erste Veränderungen im Werk greifen bereits im Sommer 2018, hieß es bei der Betriebsversammlung am Freitag.

Die Geschäftsleitung sucht mit den Mitarbeitern nach sozialverträglichen Lösungen. Auch sei geplant, dass offene Stellen im Unternehmen vorrangig Mitarbeitern aus Cloppenburg angeboten werden.


Willi Brauer, Betriebsratsvorsitzender des Cloppenburger Werkes, zeigte sich geschockt. Er hatte schon bei der Ankündigung der Mitarbeiterversammlung mit schlechten Nachrichten gerechnet. Erkundigungen liefen aber ins Leere. Jedenfalls hat der Betriebsratschef am Montag einen Termin bei seinem Anwalt in Bonn.

Intersnack hatte – das war auch vorher bekannt – zuletzt mächtig zu knabbern. So wurde das Werk in Krieschow nahe der polnischen Grenze wegen der 20 % niedrigeren Lohnkosten immer mehr zum Standort für Produkte wie Salzstangen und Brezeln. „Eine harte Nuss für uns“, hieß es in der Kölner Zentrale.

„Früher war Pfanni unsere Mutter“, erinnern sich die älteren der noch 64 Mitarbeiter in Cloppenburg. In Emstekerfeld erinnert noch ein 76 Meter hoher Werksturm an Pfanni. Der Turm wurde 1963 errichtet und gehörte zu dem damals neugebauten Werk der Spreda Nahrungsmittelwerke. Der Kaufmann Hermann Siemer hatte 1961 in der Schweiz die Rechte für ein Kalt-Trocknungsverfahren zur Pulverisierung von Lebensmitteln erworben. Die Herstellung von küchenfertigen Kartoffelprodukten rechnete sich aber nicht, und 1965 wurde die Produktion aufgegeben. Pfanni übernahm, und der „Pfanni-Turm“ wurde zu einem Wahrzeichen der Stadt, obwohl er ja eigentlich nicht mehr so benutzt wurde.

Vor fast 20 Jahren hatte Pfanni seine Produktion der Semmelknödelmischungen nach Stavenhagen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte verlegt. Wernsing Feinkost (Aldrup) übernahm die etwa 4500 Tonnen umfassende Produktion der sterilisierten Pfanni-Kartoffelprodukte.

In Stavenhagen gibt es aktuell einige Probleme. Unilever ist mittlerweile der Eigentümer. Mit dem Sparprogramm will der Konzern sich jetzt besser für künftige „feindliche Übernahmen“ durch Investoren wappnen.

Die Unternehmerfamilie Carlo, Heinz und Irmgard von Opel produzierte ab 1962 die ersten Kartoffelchips in Deutschland. 1968 gründeten Pfeifer&Langen Chipsfrisch, es folgt der Zusammenschluss mit den Pfanni-Werken Otto Eckart AG in München. Alle zusammen gründen 1977 Convent, 1995 fusionieren sie mit Wolf Bergstraße. Intersnack Knabber-Gebäck GmbH und Co. KG wird gegründet und ist seitdem mit den Marken Chio, funny-frisch und Pombär Marktführer im Bereich der salzigen Snacks in Deutschland.