CLOPPENBURG - Der Landkreis Cloppenburg hat auf dem Gebiet der Wirtschaft in den vergangenen 75 Jahren eine einzigartige Entwicklung durchgemacht. Von einem der ärmsten Landkreise Deutschlands hat er sich zu einem der wachstumsstärksten gemausert: „Wenn man heute durch das Oldenburger Münsterland fährt,“ so stellt der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Hermann von Laer fest, „dann fährt man erkennbar durch eine der reichsten Regionen Deutschlands, wenn nicht durch die reichste überhaupt“.

Überall sieht man neue Häuser, vor der Tür steht meist ein neuerer Mittelklassewagen, die Kleidung ist gehobener Standard, und auch der Jahresurlaub in der Ferne ist normal.

Früher muss die Armut hier sprichwörtlich gewesen sein: „Wie die Armen von Cloppenburg“ soll früher in Süddeutschland ein geflügeltes Wort gewesen sein. Und ganz im Gegensatz zum heutigen dynamischen Unternehmer soll der „hiesige Landmann wenig unternehmend, von mühseliger Arbeit, schwerfällig am Körper“ und, wie man sagt, „auch am Geiste“ gewesen sein.

Einer Erhebung des gerade gegründeten Landes Niedersachsen aus dem Jahre 1949 zufolge war im Landkreis Cloppenburg kaum nennenswerte Infrastruktur vorhanden: Es gab nur spärliche Kanalisation, kaum öffentliche Beleuchtung und Stromversorgung, keine eigene Abfallentsorgung und kaum feste Straßen.

Dies hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte grundlegend geändert. Neben einer klugen und wirtschaftsfreundlichen Sozial-, Investitions- und Steuerpolitik des Landkreises Cloppenburg und seiner 13 Städte und Gemeinden war dies nicht zuletzt dadurch möglich, dass sich die Menschen in der Region dem allgemeinen wirtschaftlichen Wandel nicht entgegengestellt sondern angeschlossen haben, konkret von der rein landwirtschaftlich geprägten Wirtschaft hin zu einer modernen Ernährungsmittel produzierenden Wirtschaft.


Nach wie vor sind zwar rund 70 Prozent der Landkreisfläche agrartechnisch genutzt, obwohl sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe innerhalb von 35 Jahren bis zum Jahr 2005 um fast 60 Prozent auf nunmehr knapp 2600 verringert hat. Aber die Durchschnittsgröße stieg von 14,9 auf 36,3 Hektar.

Die Struktur der Unternehmerlandschaft wird von mittelständischen und kleinen Unternehmen geprägt. Die größte Branche der Nahrungsmittelproduktion ist mit rund 40 Betrieben im Landkreis vertreten. Hinzu kommen Betriebe aus dem Baugewerbe, dem Maschinen- und Metallbau sowie der Kabel- und Elektrogeräteproduktion. In allen Branchen finden sich auch einige im Landkreis Cloppenburg ansässige Unternehmen, die international aufgestellt sind und europa- oder gar weltweit tätig sind.

Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis stieg konstant von 29 534 im Jahr 1988 auf 45 510 im Jahre 2007. Analog dazu ist die Arbeitslosenquote von 18,7 Prozent 1988 auf 8,3 Prozent im Jahre 2007 gefallen, während der Arbeitsplatzzuwachs zwischen 1997 und 2007 ganze 16,9 Prozent betrug. Seit Anfang der 2000er Jahre bewegt sich die Arbeitslosenquote zwischen 7,6 und 7,3 Prozent, während sie im gleichen Zeitraum in ganz Niedersachsen zwischen 9,3 und 8,9 Prozent lag.

Die Ausgaben für Sozialhilfe sind nach einem Anstieg Anfang der 2000er Jahre seit zwei Jahren wieder rückläufig. Neben der weiter wichtigen Aufgabe der Integration der Aussiedler steht die Versorgung der alljährlich aus den Schulen auf den Arbeitsmarkt drängenden Jugendlichen mit Arbeits- und Ausbildungsplätzen.

Diese Erfolgsgeschichte ist ohne den Wandel hin zur Ernährungsindustrie undenkbar – ein wichtiger Schritt zum Erhalt und zur Steigerung der ökonomisch guten Situation im Landkreis. Auch bei den Zahlen des Arbeitsmarkts spielt diese Verlagerung von der Landwirtschaft hin zur Nahrungsmittelproduktion eine wichtige Rolle: Mehr als 42 Prozent der Arbeitnehmer des produzierenden Gewerbes sind im Ernährungssektor beschäftigt, gefolgt von zwölf Prozent in der Elektrotechnik und zehn Prozent im Maschinenbau.

Zur gezielten Förderung der regionalen Wirtschaft sind in der letzten Zeit zwei große Gewerbeparks im Landkreis entstanden: 2005 wurde der c-Port an der Schnittstelle zwischen Küstenkanal, B 72 und B 401 mit schneller Anbindung an das regionale Autobahnnetz gegründet. Als interkommunaler Industriepark mit Binnenhafen am Küstenkanal konzipiert, bietet der vom Landkreis und den Gemeinden Barßel, Bösel, Saterland und der Stadt Friesoythe initiierte c-Port attraktive Flächen für die Ansiedlung von Industrieunternehmen.

Ebenso auf die Ansiedlung von Gewerbe ist der günstig an der A1 gelegene vom Landkreis Cloppenburg, der Stadt Cloppenburg sowie den Gemeinden Emstek und Cappeln begründete ecopark ausgerichtet. Seit 1996 fungiert dieser durch die Ausrichtung unter anderem auf die Nahrungs- und Genussmittelbranche, Agrar- und Umwelttechnik, Medizin-, Bio- und Gentechnologie, Gesundheits- und Pharmaindustrie sowie den Maschinenbau und die Informationstechnologie als Wachstumsfaktor für die Wirtschaft im Oldenburger Land.