CLOPPENBURG - CLOPPENBURG - Josef Wernke hat aus Altersgründen und mangels Nachfolge seine Schlachterei mit Zerlegebetrieb am Garreler Weg/Bether Ring in Cloppenburg an die Union-Besitz Holding GmbH & Co. KG verkauft. Hinter der Union-Holding mit Sitz in Mockrehna bei Leipzig stehen die beiden Gesellschafter Albert und Paul Sprehe, besser bekannt unter „Sprehe Feinkost“. Josef Wernke bestätigte gestern auf Anfrage der NWZ den Verkauf. Am Donnerstag sei der Vertrag unterzeichnet worden, alle 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden übernommen, betonte Wernke.

Der Betrieb und die zehn Kühlzüge werden auch künftig unter dem Wernke-Logo firmieren. Denn das Unternehmen hat Tradition. Josef Wernke, der im Mai 75 Jahre alt wird und zuletzt immer noch zehn Stunden täglich im eigenen Betrieb arbeitete, hat das Fleischerhandwerk von der Pike auf gelernt, früh die Selbstständigkeit gewagt und sich damit einen Kindheitstraum erfüllt. „Angefangen habe ich, als hier noch Kartoffeln wuchsen“, erinnert sich der 74-Jährige, „einige Steine in dem Gebäude habe ich noch selbst gebacken“. Die Schlachterei am Bether Ring existiert seit 1970. Heute werden dort 6000 Schweine in der Woche geschlachtet, 4000 davon fein zerlegt. Wernke beliefert sowohl Handelsketten als auch den Metzger nebenan. In absehbarer Zeit soll die Schlachtkapazität auf 10 000 Schweine pro Woche ausgeweitet werden.

Verhandelt hat der 74-Jährige, dem der Verkauf seines Lebenswerkes nach eigenem Bekunden „sehr schwer gefallen ist“, mit mehreren Interessenten. Die Entscheidung zugunsten Sprehes basiert auf dessen vertraglich vereinbarter Übernahme aller 120 deutschen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, an denen Wernke immer festgehalten hat und denen er sich besonders verpflichtet fühlt. Andere Bieter hätten ihm zwar „bedeutend bessere Angebote“ gemacht, sagte der alte Firmenchef, er habe denen aber abgesagt, weil „die Fremdkräfte aus Osteuropa beschäftigen wollten“.

Die Sprehe-Brüder aus Lohne gliedern die Schlachterei in ihr Feinkost-Imperium ein, das seinen Hauptsitz im emsländischen Lorup hat. Mit dem Deal in Cloppenburg baut die Sprehe-Unternehmensgruppe mit den Sparten Pute, Hähnchen und Schwein ihre Standorte auf neun aus.

Der Kauf der Schlachterei Wernke soll „Sprehe Feinkost“ die eigene Rohstoffversorgung sichern und damit unabhängiger machen. Bislang wurde das Fleisch von diversen Anbietern gekauft. Siegfried Kaiser, Marketingleiter der Unternehmensgruppe, sagte auf Anfrage der NWZ , dass 60 bis 70 Prozent der in Cloppenburg geschlachteten Schweine am Standort Rheda-Wiedenbrück zu Feinkostprodukten verarbeitet würden. Kaiser bestätigte auch, „dass Arbeitsplätze und Struktur bei Wernke erhalten bleiben“.