CLOPPENBURG - CLOPPENBURG/LÜN - Beengt, düster und kalt sah früher das Leben in einem Landarbeiterhaus aus. Eine Ahnung von den damals armseligen Lebensbedingungen der Menschen bekamen die rund 30 Teilnehmer des Sonntagsspazierganges im Museumsdorf in Cloppenburg.

Der Oldenburger Architekt Winfried Prieß erläuterte in seiner Führung „Ländliches Bauen im 19. jahrhundert – Das Landarbeiterhaus aus der Sicht des Architekten“ anschaulich und detailreich die Besonderheiten des eher unscheinbaren Gebäudes. „Mir ist bei meinen Besuchen schon oft aufgefallen, dass viele Besucher vor allem die großen, eindrucksvollen Höfe besichtigen und an dem Landarbeiterhaus oftmals achtlos vorbeigehen. Dabei ist dieses Haus hochinteressant und gibt tiefe Einblicke in das Leben der einfachen Bevölkerung“, betonte Prieß.

Das Landarbeiterhaus wurde 1979 im Museumsdorf aufgebaut, nachdem die letzte Bewohnerin 1975 gestorben war. Als besonderen Glücksfall für die sozialgeschichtliche Forschung erwies sich der Umstand, das noch das gesamte alte Mobiliar und sämtliche Anschreibebücher der Familie Hinderks überliefert waren. Diese Unterlagen geben einen authentischen Einblick in die Lebensumstände eines Landarbeiterhaushaltes. Das Gebäude, das zwischen 1850 und 1930 in mehreren Bau- und Umbauphasen errichtet wurde, stand ursprünglich in Stapelmoorerheide (Landkreis Leer) auf einem abgetorften Grundstück, das die Familie notdürftig ernährte.

Prieß erklärte, dass das Landarbeiterhaus im Stil eines Gulfhauses in Eigenregie und ohne fachliche Vorkenntnisse gebaut wurde. Umso erstaunlicher sei es, dass fast alle architektonischen Grundregeln eingehalten worden seien. Er machte auch auf Besonderheiten wie verzierte Fensterstürze, verschiedene Außenklinker oder das Plumpsklo aufmerksam, das noch bis 1975 benutzt wurde. Im Wohnbereich weckte ein Loch in der Außenwand die Neugier der Besucher. Durch das wurden Schmutzwasser und Abfälle nach draußen gekippt. Als sich die Besucher in den nur 13,50 Quadratmeter großen Wohnraum drängten, wurde für sie erfahrbar, in welchen beengten Verhältnissen die sechsköpfige Familie einst leben musste.