Cloppenburg - Zufriedenheit sieht anders aus: Georg Tellmann aus der Peheimer Bauerschaft Bischofsbrück war die heitere Miene abhanden gekommen. 2000 Euro hatte er bei der 847. Zuchtrinderauktion in Cloppenburg als Gebot für seine junge Färse, eine 28 Monate alte Gunilla-Tochter, erwartet. Dann aber schlug der Hammer von Auktionator Michel Hellwinkel bei deutlich weniger aufs Pult.

Anfangs waren die Gebote spärlich gekommen. Bei 1300 Euro gab es dann keine mehr. „Die ist doch mehr wert“, forderte der Versteigerer zum Aufschlag für die 32-Liter-Färse. Ein Händler aus Polen zahlte dann 1650 Euro.

Bei der nächsten Färse nur drei Minuten später das gleiche „Malheur“, wie es auch Tellmanns Sohn Werner ausdrückte. 1700 Euro für die „Marcell“-Färse, die mit 45 Liter Milch bei allerdings tiefem Euter glänzte.

„Der Preis wird heute fallen“, hatte schon frühmorgens Georg Tellmann prophezeit. Viele Milchbauern sahen es ähnlich. Der Milchpreis hat zwar mit 40 Cent/kg eine Höhe wie seit Jahren nicht mehr erreicht, doch das eingelagerte Milchpulver hemmt die weitere positive Preisentwicklung. Und im September ist erstmals wieder im Jahresvergleich die Milchanlieferung leicht angestiegen,

Die Vorteile, die durch das Milchmengenreduktionsprogramm und Liquiditätsdarlehen entstanden, waren nur (Milch)-Tropfen auf dem heißen Stein. Die Verbraucher stöhnen über die Preise, aber die Milchbauern atmen nur kurz durch, denn die Darlehen sind nur ein Jahr tilgungsfrei und die Händlerkredite, in der Krise oft aufgenommen, müssen auch zurückgezahlt werden. Dabei müssten die Bauern eigentlich jetzt Rücklagen bilden: Sparen für wieder schlechtere Zeiten.


Das nötige hohe Niveau hatte es beim letzten Mal in Cloppenburg für die Färsenpreise gegeben. 40 Prozent der Färsen waren durch die Schallmauer von 2000 Euro. gebrochen. 2800 Euro gab es für ein Spitzentier aus Spahnharrenstätte.

Die Tellmanns hatten im September sieben Färsen in den Ring geführt. 2350 Euro gab es im Schnitt. 50 Kühe melken sie, von zwei Betrieben kaufen sie Kälber zur Aufzucht dazu. „500 Euro pro Färse weniger“, lautete am Mittwoch die Bilanz des Bauern aus Bischofsbrück.

Für zusätzliche Nachfrage sorgte Dirk-Jan Kuenen, der für einen holländischen Bauern zehn Kühe kaufte. Im Nachbarland wird zwar mit einer Phosphat-Quote die Rinderzahl eingefroren, doch „viele Bauern setzten jetzt auf Qualität“. Davon profitierte Peter Wreesmann-Grever aus Schnelten (Lastrup). „Jesko“, eine Indira-Tochter mit 38 Litern, sollte mindestens 1800 Euro beringen. 2000 Euro lautete das Gebot des östlich von Arnheim tätigen Bauern.

100 Kühe stehen im Stall in Schnelten. Gerne würde der erfolgreiche Züchter von Kühen und Vererbern mehr mästen, doch „es gibt kaum noch eine Baugenehmigung im Kreis Cloppenburg“, meint der Junior-Chef.

Dann aber wieder ein Rückschlag. Tobias Geesen aus Bollingen (Saterland) wollte die junge „Rio“ nicht für 1000 Euro abgeben. „Mindestens 1100 Euro“, forderte er. Der Bieter erhöhte: 1050 Euro. „Ja, gut“. So viel bringt ja fast der Schlachter. Drei Euro waren in der vorigen Woche pro kg Schlachtgewicht der seit Jahren höchste Preis.

Viele Milchbauern wissen aber eher auf Anhieb den Schweinepreis – am Mittwoch um fünf Cent auf 1,45 Euro/kg Schlachtgewicht nach einem Sommerhoch von 1,81 Euro gefallen, ihr Augenmerk gilt dem Milchpreis. Und da lautet die Nachricht: Die Milchbauern werden noch eine Weile brauchen, bis es ihnen wieder gut geht.

Als dann eine lackschwarze Färse aus dem Stall von Franz-Bernd Meyer (Damme) aus dem Ring geführt wird, gibt es auch Applaus: 2500 Euro lassen die Mienen für einen Monat wieder aufhellen. Wird der Markt sich stabilisieren?