COLNRADE - „Wir finden, dass es ein wirklich schöner Brauch ist, weil alle ins Haus kommen und fast jeder Besuchte sich den Gästen anschließt und mit durch den Ort geht“, schilderten Wolfgang, Katrin und Tjark Bethke aus Colnrade ihre Meinung zum jährlichen Neujahrssingen. Gerade hatten die Neujahrssänger die gute Stube der Familie Bethke wieder verlassen, um ein weiteres Haus in der Ortschaft Colnrade aufzusuchen, dort kurz Musik zu machen, etwas zu trinken und zu klönen – mal länger, mal kürzer, je nachdem, ob es noch am Anfang des Rundganges ist oder nicht. Ein Brauchtum der seit 1947 jedes Jahr wieder nahezu die gesamte Bevölkerung Colnrades auf die Beine bringt.
„Wir treffen uns zunächst immer zum Knippessen. Diesmal war das bei Heinrich Grunau. Treffpunkt ist in diesem Jahr danach die Gaststätte Schliehe-Diecks, von der wir gerade kommen. Von dort aus haben wir uns auf den Weg gemacht, um allen Dorfbewohnern ein erfolgreiches und gesundes neues Jahr zu wünschen“, erklärte Wilhelm Bahrs, einer der Colnrader, die das Neujahrssingen immer wieder anschieben. Aufgeteilt in drei Gruppen aus dem Oberdorf, dem Unterdorf und der Siedlung geht es am Neujahrsnachmittag von Haustür zu Haustür. Die meisten Besuchten schließen sich an, so dass am Ende ein Großteil des Dorfes unterwegs ist. Schlusstreff war am Neujahrstag der Ausgangspunkt, die Gaststätte Schliehe-Diecks, wo die Brauchtumsveranstaltung langsam ausklang.
Die Neujahrssänger aus dem Oberdorf kehrten zunächst von der Gaststätte kommend bei Pierre Albers als Startstation ein. Dort wurden das Schifferklavier, das Waschbrett und die Teufelsgeige ausgiebig bedient, um den richtigen Rahmen für die Neujahrssänger zu schaffen. Mit von der Partie war auch ein „Auswärtiger“: Albert Röber ist Colnrader, lebt aber seit März vergangenen Jahres in Rumänien – aus beruflichen Gründen. Zum Jahreswechsel aber ließ er es sich nicht nehmen, am Neujahrssingen teilzunehmen.
