COLNRADE - Es war ein Thema, das mobilisierte: Gut 40 Zuhörer drängten am Mittwoch ins Dorfgemeinschaftshaus Colnrade, um Näheres über aktuelle Maststall-Pläne am Hoboldsweg zu erfahren und um ihre Sorgen um Wohnqualität und vor allem Schäden an Straßen vorzubringen. Es ging um den geplanten Bau von zwei Mastschweineställen mit je 1152 Plätzen sowie Futtermittelsilos und Güllebehältern auf einer Fläche unweit des Sportplatzes. Trotz Bedenken auch aus der Ratsrunde erteilte der Gemeinderat letztlich (bei zweimal „nein“ und einer Enthaltung) das gemeindliche Einvernehmen.
Bürgermeisterin Anne Wilkens-Lindemann sah die Gemeinde dabei im „Klammergriff“: Es gebe kaum Ermessensspielraum für die Gemeinde bei einem privilegierten Vorhaben im Außenbereich, wenn die ausreichende Erschließung gegeben sei; Genehmigungsbehörde sei der Landkreis. Hier läuft ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz mit Öffentlichkeitsbeteiligung. Der Rat befürwortete so das Einvernehmen – allerdings auf Grundlage eines mit dem Bauherrn abzuschließenden Nutzungsvertrages, in dem die An- und Abfuhrwege des Schwerlastverkehrs geregelt werden.
Dirk Frahne, Schwiegersohn des antragstellenden Landwirts Wilhelm Straßburg und am Projekt beteiligt, hatte zuvor das Bauvorhaben vorgestellt. Geplant sind zwei 47 mal 30 Meter große Ställe, in denen Ferkel aufgemästet werden sollen, die in Frahnes Stallungen in Goldenstedt geboren werden. Als Sichtschutz ist ein 1 Meter hoher Wall geplant. Sorgen vor Geruchsbelästigung beruhigte Frahne mit Hinweis auf eine Ablufthöhe von 10 Metern mit entsprechender Verteilung der Luftmassen und eine Filteranlage auf einem Stall. Der zu erwartende Verkehr liege bei werktags im Schnitt 1,7 Fahrten (Hin- und Rückfahrten).
Die Zufahrt soll erfolgen über die Kreisstraße 4 von Hol- torf nach Beckstedt, den Hoboldsweg sowie einen vom Antragsteller auf 60 bis 80 Meter Länge mit Asphaltdecke auszubauenden Feldweg der Gemeinde. In Richtung Kreisstraße sind zudem zwei Ausbuchtungen vorgesehen, um Lkw-Begegnungsverkehr zu ermöglichen. Damit, so erläuterte Samtgemeinde-Bauamtsleiter Jens Hüfner, komme der Antragsteller der Gemeinde entgegen; auch sei er bereit zu einer vertraglichen Bindung, selbst die K 4 zur Anfahrt zu nutzen sowie auch die Lieferanten dazu anzuhalten.
Die Bedenken von Anwohnern beruhigte das nur bedingt. „Die Fremden fahren die schnellsten Wege“, sorgte sich Horst Degen um die Straße Am Funkturm und etwaige Schäden: „Nachher haben wir die Kosten.“ Ratsherr Frank Windhorst beantragte hier, die Straße gemeinsam mit Anliegern auf mögliche gestalterische Maßnahmen zu prüfen, um sie für große Fahrzeuge unattraktiv zu machen.
Die Ratsmitglieder Volker Siegmann („Mir geht’s um die Straßen“) und Dietrich Kirchhoff verweigerten die Zustimmung zum Stallbauvorhaben gänzlich: „Das passt nicht in die Landschaft. Die Gemeinde leidet darunter“, so Kirchhoff.
