Bergedorf - Wie in so vielen Dörfern hat sich auch in Bergedorf die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in den vergangenen Jahrzehnten stark reduziert. Gab es 1946 noch 52 Landwirte im Ort, so sind es heute ganze 13. Einer davon ist Jürgen Struthoff (49). Nach dem Motto „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“, hat der Familienbetrieb, den er mit Ehefrau Susanne führt, immer wieder investiert, um auch in Zukunft bestehen zu können.

Wie viele andere Landwirte auch hat Struthoff sich spezialisiert und setzt fast komplett auf die Milchviehhaltung mit derzeit 125 Kühen. Dazu kommen noch 250 Mastschweine und 75 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Dass Jürgen Struthoff diesen Betrieb heute leiten kann, war aber nur möglich, weil seine Eltern sehr viel Mut hatten: Friedrich und Marianne Struthoff übernahmen 1964 den Hof von Jürgens Großmutter Lilly Vosteen. Mit drei Kühen, einigen Schweinen und einer Junghennenaufzucht fing das junge Ehepaar ganz bescheiden an. Schon gut zehn Jahre später wurden 70 Sauen und 25 Kühe gehalten.

Jürgen, der ältere der beiden Söhne, stieg nach seiner Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister in den elterlichen Betrieb ein. 1993 wurde die Milchviehhaltung erweitert, ein Boxenlaufstall für zunächst 40 Kühe gebaut und zwei Jahre später auf 70 Kühe erweitert. Vater Friedrich kümmerte sich um die Sauenhaltung, während Jürgen und seine Mutter für die Kühe zuständig waren.

2003 heiratete Jürgen seine Susanne, eine Kinderkrankenschwester aus der Lüneburger Heide. Jürgens Eltern verlegten ihren Wohnsitz in den Altenteiler nebenan und überließen den beiden die Verantwortung. „Ist Not am Mann, können wir uns immer auf meine Eltern verlassen“, betont Struthoff. Auch seine Frau ist ihm eine große Unterstützung. Ob einer der beiden Söhne, Fabian (10) und Tobias (9), später den elterlichen Betrieb übernehmen wird, weiß heute noch niemand.

Dennoch haben Struthoffs vor zwei Jahren weiter investiert: Ein Laufstall für 130 Kühe entstand, mit viel Raum, Licht und Luft. „Die Kühe liegen in ihren Boxen bequemer als ich auf meiner Isomatte“, scherzt Susanne Struthoff. Gemolken werden die Tiere seit dem Umbau mit zwei Melkrobotern.


Wer glaubt, dass Familie Struthoff nun viel mehr Freizeit hat, täuscht sich. Die Kühe müssen regelmäßig beobachtet werden und dabei ist der Computer ein wichtiges Hilfsmittel. Er zeigt alle Daten an, wie zum Beispiel Milchleistung und Futterabholung. Trotz der hohen Investition würden sich Struthoffs immer wieder für einen Melkroboter entscheiden. „Jetzt ist es auch mal möglich, ohne Hektik am frühen Abend zu einer Feier zu gehen. Bei den festen Melkzeiten hätten wir viel mehr Stress gehabt“, erklärt Susanne Struthoff.

Im Vergleich zu früheren Jahren muss heute die dreifache Zeit in Büroarbeit investiert werden. „Alles muss dokumentiert werden, ob Dünge-, Pflanzenschutz- oder Arzneimittel. Wir unterliegen einer ständigen Kontrolle“, so Jürgen Struthoff. Obwohl er lieber draußen ist als im Büro, erkennt er natürlich dessen Notwendigkeit.

Aufregen kann Jürgen sich, wenn die Landwirtschaft wieder einmal an den Pranger gestellt wird. „Oft wird sehr unsachlich berichtet und jeder meint, ohne jegliches Hintergrundwissen mitreden zu müssen“ Auch von der Arbeit des zurzeit zuständigen Ministers in Hannover ist Jürgen alles andere als überzeugt. Er engagiert sich im Vorstand des Ortslandvolkverbands Ganderkesee, um die Interessen seines Berufsstandes zu vertreten. Dennoch ist Jürgen Struthoff mit seinem Beruf sehr zufrieden, wie er ausdrücklich betont – nicht zuletzt wegen der „tollen Dorfgemeinschaft“ in Bergedorf.