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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Corona: „Es geht allein um Vernunft“

06.04.2020
Frage: Als wirtschaftliche Folge der Bekämpfung der Corona-Pandemie wird mit einer tiefen Rezession gerechnet. Für Deutschland wird – je nach Szenario – ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bis zu 20 Prozent-Punkten prognostiziert. Wovon geht der Sachverständigenrat derzeit aus?

Feld: Wir rechnen für 2020 im schlimmsten Fall mit einem Wachstumsrückgang von 5,4 Prozent, im wahrscheinlichsten Fall von 2,8 Prozent, sind also nicht so pessimistisch wie das Ifo-Institut in seinem schlimmsten von 18 aufgezeigten Szenarien. Wir erwarten damit für das zweite Quartal 2020 einen ähnlich starken Einbruch wie im ersten Quartal 2009 – während der Finanz- und Wirtschaftskrise. Das erste Quartal 2020 lief aber noch ordentlich, sodass auf Jahresbasis ein geringerer Rückgang des BIP zustande kommt. Je nachdem, wie die Pandemie verläuft und die Gesundheitspolitik reagiert, kann es aber schlimmer kommen. So verstehe ich auch das Ifo-Extrem-Szenario. Es verdeutlicht, dass es unmöglich ist, die Wirtschaft ein Jahr oder länger herunterzufahren, wie es einige Virologen fordern.

Frage: Wie sehen Sie die weitere wirtschaftliche Entwicklung?

Feld: Das hängt davon ab, wie lang der Shutdown dauern wird. In unserem Basisszenario gehen wir von fünf Wochen Shutdown und drei Wochen anschließender Erholung aus. Nach Ostern könnte man danach die wirtschaftlichen Aktivitäten wieder langsam hochfahren. Unser zweites Szenario basiert auf sieben Wochen Shutdown und fünf Wochen Erholung; dann würde die Wirtschaft in der zweiten Hälfte des dritten Quartals von einem tieferen Niveau durchstarten. Dabei erwarten wir einen V-förmig ausgeprägten Anstieg der Wirtschaft, also keinen U-förmigen Verlauf.

Frage: Droht nicht ein Kreditschock im zweiten Halbjahr? Viele Kreditnehmer geraten in Zahlungsschwierigkeiten und können ihre Kreditverpflichtungen bei den Banken nicht erfüllen?

Feld: Von ernsten Problemen im Bankensektor gehe ich derzeit nicht aus. Auch diejenigen, die sich mit ihren Krediten nicht mehr über Wasser halten können, versucht die Politik mit einem breiten Spektrum von Hilfsmaßnahmen zu unterstützen. Dennoch wird, gerade bei schwach eigenkapitalisierten und kaum mit Rücklagen ausgestatteten KMU`s (kleine und mittlere Unternehmen) eine Reihe von Insolvenzen nicht zu vermeiden sein. Aber das Kreditvolumen dieser Gruppe ist relativ gering, so dass Banken nicht zu sehr darunter leiden sollten. Mehr Sorgen bereitet mir der Euroraum.

Frage: Woran denken Sie insbesondere?

Feld: Im Wesentlichen natürlich an Italien, aber auch an Griechenland, wenngleich die Hellenen bei Weitem nicht so sehr von der Pandemie betroffen sind wie die Italiener. Wenn man einerseits die enorme Intensität, mit der das Virus in Italien wütet, und andererseits die hohe Verschuldung des Landes sieht, dann besorgt uns Italien von allen Euroländern am meisten.

Frage: In der Diskussion sind u.a. Europa-Coronabonds, also gemeinsame Anleihen der Europäer im Kampf gegen das Virus. Wäre das eine wirksame Hilfe – auch für Italien?

Feld: Ich würde gern wissen, wie solche Coronabonds konkret ausgestaltet werden sollen. Es gibt zwar Vorschläge, die Europäische Investitionsbank einzubeziehen, oder dass die Kommission – ähnlich wie in der Finanzkrise – ihre Möglichkeiten nutzt, um Mitgliedstaaten Kredite zu gewähren. Denkbar wäre auch eine andere Nutzung des ESM, indem neue vorsorgliche Kreditlinien mit minimalen Auflagen eingerichtet werden.

Frage: Also viele Vorstellungen aber noch nichts Konkretes?

Feld: Richtig. Aber eines darf keinesfalls passieren: Die heutige Corona-Situation darf nicht genutzt werden, um eine gesamtschuldnerische Haftung für die Verschuldung in Europa zu erreichen. Ich erinnere an die Diskussion um Eurobonds. Gesamtschuldnerische Haftung heißt, dass jeder Schuldner einer Anleihe gegenüber dem Gläubiger in voller Höhe des Anleihevolumens haftet. Das ist nicht realisierbar – schon gar nicht in der heutigen Situation, wo die Schuldenquoten aller Mitgliedsstaaten nach oben schnellen. Hier geht es nicht um Solidarität, sondern allein um Vernunft.

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