Cuxhaven/Wilhelmshaven/Emden/Oldenburg - Die Häfen in Niedersachsen sehen sich für einen Austritt Großbritanniens aus der EU gerüstet – auch wenn noch nicht feststeht, wann und wie der Brexit kommt.

Betroffen ist vor allem Cuxhaven: Vom dortigen Terminal Cuxport werden mehrmals die Woche die britischen Häfen Immingham, Harwich und Southampton angelaufen. „Wir haben Anfang letzten Jahres beschlossen, uns auf einen ungeregelten Brexit einzustellen“, sagte Peter Zint, Geschäftsführer von Cuxport. Beim sogenannten harten Brexit würde Großbritannien ohne den mit Brüssel vereinbarten Vertrag ausscheiden.

NWZ-Kommentar zu Häfen und Brexit : Cool bleiben

Dieser Ernstfall könnte am kommenden Freitag (12. April) eintreten – allerdings reden sowohl London als die EU wieder über einen möglichen Aufschub. Um einen chaotischen Bruch mit unabsehbaren Folgen zu vermeiden, hatte Premierministerin Theresa May um Aufschub bis zum 30. Juni gebeten.

In Cuxhaven wickelt Cuxport bislang fünf bis zehn Prozent seines Warenverkehrs mit Ländern außerhalb der EU ab, nämlich mit Norwegen und Island. „Wenn Großbritannien die Zollunion verlässt, würde der Anteil auf über 90 Prozent steigen“, sagt Zint, der auch Vorsitzender der Hafenwirtschaftsgemeinschaft Cuxhaven ist.


Die Zusammenarbeit mit dem örtlichen Zollamt wie mit dem Hauptzollamt in Oldenburg sei gut. Mitarbeiter wurden geschult, um mit der neuen Lage umzugehen. Mehr Personal gibt es nach Angaben von Zint nicht, dafür wurde mehr Platz organisiert: „Wir haben einen Flächenpuffer geschaffen, falls es zu Verzögerungen bei der Abfertigung kommen sollte“, sagte er. Auf dieser Fläche könnten dann Lastwagen-Anhänger aus Großbritannien stehen, bis sie verzollt und abgeholt würden.

Der Zoll selbst wartet ab, wie und wo durch den Brexit Mehrarbeit anfallen wird. „Wir wissen noch nicht, welche Warenströme auf uns zukommen“, sagt Sprecher Frank Mauritz beim Hauptzollamt Oldenburg. Bundesweit will der Zoll um 900 Mitarbeiter aufstocken. Wo die neuen Beschäftigten eingesetzt werden, steht nicht fest. „Wir wollen uns unsere Flexibilität an der Stelle erhalten“, sagt Mauritz.

Am Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven kommen vor allem Containerschiffe aus Übersee an, die Strecke nach Großbritannien spielt nach Angaben des Terminalbetreibers Eurogate dort keine Rolle. Alle Planungen gehen aber davon aus, dass die Warenströme zwischen den britischen und den niedersächsischen Häfen auch nach einem Brexit in etwa gleichbleiben.

In Emden erwartet der Leiter des örtlichen Zollamtes, Arno Albers, keine großen Veränderungen.