Großenkneten/Ahlhorn - Prominenter Besuch in Großenkneten: Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat sich am Mittwoch zusammen mit der Landtagsabgeordneten Renate Geuter (SPD) über die Strukturen in der Gemeinde informiert. Am Mittag wurde er zunächst von Bürgermeister Thorsten Schmidtke sowie der Rats- und Verwaltungsspitze im Rathaus empfangen. Dort trug sich Weil ins Goldene Buch ein. Anschließend besuchte er den größten Arbeitgeber der Gemeinde, die Firma Heidemark in Ahlhorn. Am späten Nachmittag war der Ministerpräsident Gast beim Schaffermahl in Wildeshausen.
Mit Freude vernahm Weil die Aussage von Schmidtke, dass die Gemeinde durchschnittlich zehn Millionen Euro an Gewerbesteuer einnimmt. Erstaunt zeigte er sich über die Bevölkerungsentwicklung in Ahlhorn. Von den 7800 Einwohnern sind laut Schmidtke 46 Prozent Ausländer, 70 Prozent haben einen Migrationshintergrund. „Dadurch hat sich das Leben in Ahlhorn verändert“, so Schmidtke. „Die Integration dieser Menschen treibt uns um.“ Er hofft auf die Unterstützung des Landes bei der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“. In dem Zusammenhang lobte Renate Geuter die „enormen Anstrengungen der Grundschule Ahlhorn“.
Augenmaß gefordert
Augenmaß forderte der Bürgermeister beim geplanten Wassergesetz. „Die Landwirte im Landkreis Oldenburg sind in großer Sorge.“ Ratsvorsitzender und Landwirt Torsten Deye rief zu mehr Sachlichkeit auf. Auf seinen Ländereien gebe es 10,2 Kilometer Gräben. Er würde durch den Fünf-Meter-Randstreifen von seinen 170 Hektar fünf nicht mehr nutzen können.
Weil betonte, dass er an keinem Kampf mit den Landwirten interessiert sei. Doch die Grundwasserqualität in Niedersachsen sei nicht gut, gerade im Nordwesten mit einer intensiven Landwirtschaft. Von den Grenzwerten seien viele Regionen weit entfernt. Der Ministerpräsident machte Hoffnung auf regional differenzierte Lösungen.
Um die Themen Tierwohl, künftige Investitionen und die Mitarbeiterstruktur ging es in der Putenschlachterei Heidemark, wo Geschäftsführer Bernd Kalvelage den Ministerpräsidenten begrüßte. In Ahlhorn arbeiten etwa 1300 Mitarbeiter, 30 Prozent sind Werkvertragsarbeiter. Kalvelage geht davon aus, dass es in fünf Jahren nur noch 15 Prozent seien, weil sich immer mehr ausländische Beschäftigte in Ahlhorn und Umgebung mit ihren Familien niederließen und in Festanstellungen wechselten.
Wenig Stress bereiten
Angesichts der Diskussion um die Tierhaltung erläuterte Bernd Wiegmann (Heidemark) das über Jahre weiterentwickelte ganzheitliche Konzept. Heidemark arbeite mit 400 Vertragslandwirten zusammen. Ein Ziel beim Weg von der Ausstallung bis zur Schlachtung sei, den Tieren wenig Stress zu bereiten.
Heidemark schlachtet 300 000 Puten pro Woche, ist damit an der Kapazitätsgrenze. Nächstes Jahr will das Unternehmen 20 Millionen Euro in ein neues Kommissionierlager, ein Tiefkühllager, eine Werkstatt und eine Wasseraufbereitungsanlage investieren. Dadurch werden laut Kalvelage weitere 150 Arbeitsplätze geschaffen.
