Oldenburg/Hannover - Von einer wirtschaftlichen Erholung ist im Oldenburger Land in den ersten Monaten des Jahres nur wenig zu spüren gewesen. Die Stimmung unter den regionalen Unternehmen ist gedämpft, wie aus den am Freitag veröffentlichten Ergebnissen der Konjunkturumfrage der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) hervorgeht.

Der IHK-Konjunkturklimaindex, der die Einschätzungen der gegenwärtigen und der erwarteten Lage aufzeigt, fiel im ersten Quartal im Vergleich zum Vorquartal von 108,2 auf 100,6 Punkte. Der Wert liegt damit nicht nur unter dem mehrjährigen Mittel im Oldenburger Land, sondern auch unter dem IHK-Konjunkturklimaindex für Niedersachsen, der im ersten Quartal nur um zwei auf 106 Punkte zurückging. Insgesamt befragten die Kammern rund 1800 Unternehmen in Niedersachsen, darunter 347 im Oldenburger Land.

„Der Aufschwung kommt derzeit nur zögerlich voran“, meinte der Oldenburgische IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Peters. Gründe seien das erneute Aufflackern der Staatsschuldenkrise durch den Finanzierungsbedarf Zyperns sowie die instabile Lage in Italien gewesen. Da eine schnelle und umfassende Lösung noch nicht in Sicht sei, hielten sich derzeit viele Unternehmen mit Investitionen zurück.

Neben den anhaltenden Problemen in Europa machte die IHK auch die schlechten Wetterbedingungen für die anhaltende Schwächephase mitverantwortlich. „Ein weiterer Grund für die zurückhaltende Stimmung ist der lang anhaltende Winter“, sagte Peters. Er habe dazu geführt, dass das Baugewerbe Aufträge nicht abarbeiten konnte und zudem die Kaufbereitschaft der Verbraucher gebremst.

Trotz der getrübten Stimmung warnte die Kammer aber vor übertriebenem Pessimismus. „Die Aussichten für 2013 bleiben stabil“, sagte der IHK-Hauptgeschäftsführer. Die regionalen Unternehmen würden eine vorsichtige wirtschaftliche Belebung in der zweiten Jahreshälfte erwarten. Impulse kämen aus dem Auslandsgeschäft, vor allem aus den USA und Schwellenländern.


„Angesichts der gedämpften Stimmung agieren die Unternehmen umsichtig“, meinte Peters. „Bei den Investitionen stehen Ersatzbedarf und Rationalisierung im Vordergrund.“ Auf den Arbeitsmarkt hätte dies jedoch wenig Auswirkungen. Die Betriebe hielten nach IHK-Angaben an ihrer Stammbelegschaft fest.

Als Hauptrisiko für die wirtschaftliche Erholung machten die regionalen Unternehmen die hohen Energie- und Rohstoffpreise aus. Zunehmend ins Blickfeld rückten nach den jüngsten Tarifabschlüssen aber auch die Arbeitskosten. Nach Kammerangaben sehen mittlerweile fast 40 Prozent der befragten Unternehmen hierin ein Risiko, das ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährde.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft