Washington/Stuttgart - Nach mehreren Zivilklagen in den Vereinigten Staaten haben die US-Behörden eine Überprüfung der Abgasmessungen beim Autohersteller Daimler angeordnet. Daimler führe auf Aufforderung des US-Justizministeriums interne Untersuchungen durch, sagte Finanzchef Bodo Uebber am Freitag. „Selbstverständlich kooperieren wir vollumfänglich mit den Behörden.“
In der Nacht zum Freitag hatte Daimler in einer Pflichtmitteilung an die Finanzwelt mitgeteilt, das US-Justizministerium habe den Konzern aufgefordert, das Zustandekommen der offiziellen Abgaswerte in den USA intern und unter Einbeziehung der US-Aufseher unter die Lupe zu nehmen. Daimler-Aktien gerieten unter Druck.
Die Anordnung folgt auf Sammelklagen von US-Autobesitzern, die dem Hersteller illegal überhöhte Emissionswerte bei Dieselmotoren vorwerfen. Uebber betonte erneut, dass Daimler die Sammelklagen für unbegründet halte und sich dagegen mit sämtlichen juristischen Mitteln zur Wehr setzen werde.
Der Konzern regelt bei einigen Dieselmotoren die Abgas-Nachbereitung in bestimmten Temperaturbereichen herunter. Daimler begründet das mit dem rechtlich zulässigen Schutz von Bauteilen. Ein Daimler-Sprecher sagte, das entspreche auch den US-Regularien.
Bereits am 15. April war der Konzern nach eigenen Angaben unter Hinweis auf strenge Vertraulichkeit von der US-Justiz aufgefordert worden, den Zertifizierungs- und Zulassungsprozess in Bezug auf Abgasemissionen in den USA durch eine interne Untersuchung in Abstimmung mit den US-Ermittlern überprüfen zu müssen. Man wolle dazu eine externe Kanzlei einschalten, kündigte Uebber an.
Unterdessen beordert Daimler nach Abgas-Nachprüfungen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) Autos in die Werkstätten. Man biete in Europa freiwillig für 247 000 Fahrzeuge ein Software-Update an, wie der Konzern am Freitag auf Anfrage mitteilte. Betroffen seien Autos der A-, B-, CLA- und GLA-Klasse sowie V-Modelle. Das Software-Update für die Kompaktmodelle betreffe eine Motorvariante von Daimlers Kooperationspartner Renault, die Motoren der V-Klasse stammen von Daimler selbst.
Damit fällt ein großer Teil des vom KBA initiierten „freiwilligen Rückrufs“ von insgesamt 630 000 Fahrzeugen auf die Schwaben. Mithilfe des Software-Updates will man eine deutliche Verbesserung der Emissionen erreichen.
Außer Daimler sind vom Riesen-Rückruf betroffen: Audi 65 700 Autos (Modelle Q5, A6, A8); Opel 90 000 Autos (Insignia, Zafira, Cascada); Porsche 33 000 Autos (Macan); VW Nutzfahrzeuge 194 000 Autos (Crafter, Amarok).
Bei Daimler sank der Gewinn im ersten Quartal im Jahresvergleich auch wegen der Anlaufkosten für die neue E-Klasse um fast ein Drittel auf 1,4 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um zwei Prozent auf 35 Milliarden Euro.
