Wildeshausen - Vom Alter her könnte Ahmad Alramadan der Sohn von Werner Peltzer (61) sein. Doch der Wildeshauser ist nicht sein Vater, sondern sein Pate. Alramadan ist 31 Jahre alt, Syrer und vor sechs Monaten nach Deutschland geflohen. Anfang Dezember hat Peltzer den inzwischen anerkannten Asylbewerber unter seine Fittiche genommen und begleitet ihn bei seinem Neuanfang in Wildeshausen. Es ist Hilfe zur Selbsthilfe.

„Das Wichtigste für die Integration der Flüchtlinge ist neben der Sprache der Kontakt zu uns Einheimischen“, sagt Peltzer. Er begann mit einem Deutschkursus und lernte so viele Flüchtlinge kennen. Schließlich entschloss er sich als Ehrenamtlicher der Freiwilligenagentur „Misch mit“ zur Patenschaft.

Ahmad Alramadan hat inzwischen seine eigene Wohnung und besucht einen Sprachkursus bei der Volkshochschule. „Ich helfe ihm bei der Ausstattung seiner Wohnung, bei der Anerkennung seines syrischen Führerscheins oder auch der Eröffnung eines Bankkontos“, erzählt Peltzer. Einmal pro Woche etwa treffen sich die beiden für zwei Stunden. Ansonsten halten sie Kontakt über Whatsapp. Der 31-Jährige hat auch schon Familie Peltzer kennengelernt. Alramadans Ehefrau und seine vier Kinder sind noch in der Türkei und warten auf die Familienzusammenführung.

Seit ein paar Wochen spielt der 31-Jährige Tischtennis beim VfL Wildeshausen. Werner Peltzer ist noch dabei, Ahmad Alramadan von der Notwendigkeit einer Ausbildung zu überzeugen. In Syrien war er Autohändler. „Ohne Ausbildung läuft in Deutschland aber nicht viel“, so Peltzer.

386 Flüchtlinge muss die Stadt Wildeshausen bis Ende März aufnehmen. 270 sind nach Aussagen von Bürgermeister Jens Kuraschinski bislang untergebracht. Die Freiwilligenagentur würde am liebsten jedem Flüchtling oder jeder Flüchtlingsfamilie einen Paten zur Seite stellen. Bislang gibt es zwölf Interessenten für eine Patenschaft.

„Ehrenamtliche können eine Menge bewegen“, meint Thorben Kienert von der Freiwilligenagentur. Er geht noch weiter: „Ehrenamtliche sind zwingend notwendig, um die Alltagsthemen der Flüchtlinge vor Ort zu bewältigen.“ Die Freiwilligenagentur klärt in Einzelgesprächen, ob jemand für eine Patenschaft in Frage kommt. „Ein Pate sollte seinen Alltag nicht komplett auf die Patenschaft ausrichten“, so Kienert. Deshalb sei es auch möglich, zu zweit einem Flüchtling zur Seite zu stehen. Die Freiwilligenagentur qualifiziert und begleitet die Paten. Der nächste Fortbildungskursus „Asylbegleiter im Landkreis Oldenburg“ findet am 23. und 24. Februar in der Volkshochschule Wildeshausen statt. Im März gibt es einen ersten Erfahrungsaustausch für Paten, geleitet von einem Fachmann.


Steht jemand als Pate zur Verfügung, nimmt Kienert Kontakt mit Flüchtlingssozialarbeiterin Julia Gunder auf. „Jeder Pate kann sich die Person aussuchen, die zu ihm passt“, so Gunder. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wildeshausen, Michaela Kurwinkel, hat einen Leitfaden für Paten erstellt. In Arbeit ist auch noch ein Leitfaden in mehreren Sprachen für Flüchtlinge.

Christoph Koopmeiners Redaktion Cloppenburg