Nordenham - Ein neuer Konsens für die Energiewende müsse erreicht werden, um den Ausbau von Windkraftanlagen auf See voranzubringen. Das hat der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag und Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Jürgen Trittin, am Dienstagnachmittag in einem Gespräch mit der Geschäftsführung der Norddeutschen Seekabelwerke (NSW) deutlich gemacht.
Dabei waren auch Dr. Günther Schöffner, seit Februar neuer Vorsitzender der NSW-Geschäftsführung, die neue Betriebsratsvorsitzende An-drea Lukes und Grünen-Politiker aus Nordenham. Jürgen Trittin war mit dem grünen Wahlkampf-Bulli „Jürgen auf Tour“ nach Nordenham gekommen.
Thorsten Schwarz, einer der beiden NSW-Geschäftsführer, verwies darauf, dass NSW 2007 in die Energieseekabel-Branche eingestiegen sei und dadurch den Umsatz mehr als verdoppelt habe. „Ohne Offshore-Windenergie hätten wir heute eine ganz andere wirtschaftliche Situation.“ NSW biete schlüsselfertige Installationen auf See an und betreibe dazu zurzeit zwei Schiffe.
Sorge bereiten NSW laut Thorsten Schwarz Diskussionen in verschiedenen politischen Lagern, wonach Offshore-Windenergie der Kostentreiber unter den erneuerbaren Energien sei. Diese Behauptung treffe nicht zu.
Das bestätigte Jürgen Trittin: Das Fatale sei, dass die relativ hohe anfängliche Einspeisevergütung im Blickpunkt stehe und dabei die nicht mehr kostendeckende Endvergütung übersehen werde. Gemessen an Kohlekraftwerken seien Windparks auf See wahrscheinlich heute schon wettbewerbsfähig.
Der ehemalige Bundesumweltminister unterstrich auch zwei weitere von NSW vorgetragene Argumente: Offshore-Windenergie trage verlässlich zur Versorgungssicherheit bei und schaffe Umsatz und Arbeitsplätze. Auch die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg profitierten stark – durch Zulieferung von Getrieben und auch Transformatoren.
„Der Markt steht de facto still. Alle warten auf neue Aufträge“, sagte NSW-Vertriebsleiter Erhard Weitzenfelder. Er regte einen verlässlichen Masterplan an, damit Investoren die nötige Planungssicherheit erhalten.
Hinsichtlich der Überarbeitung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zur Förderung regenerativer Energien plädiert Jürgen Trittin dafür, weiterhin hohe Anfangsvergütungen für Ökostrom aus Offshore-Windparks zu zahlen.
Darüber hinaus müssten die nötigen Netzanschlüsse gewährleistet werden und Absicherungen oder Bürgschaften für Investitionen gewährt werden.
Künstlich aufgeblähte Kosten zur Förderung energieintensiver Betriebe müssten auf das Notwendige zurückgefahren werden. Dadurch könnten vier Milliarden Euro an Zulagen eingespart werden.
Für die Vergütung von Strom aus Rotoren an Land müsse ein anderes System gefunden werden. Eine bundesweite Netzbetriebsgesellschaft hält Trittin ebenfalls für erforderlich – als Bestandteil des neuen Konsenses.
Grünen Bundestagskandidat Dragos Pancescu aus Brake unterstrich, dass alle Parteien gefordert seien, damit ein nachhaltiger Konsens erreicht werden kann.
