Wildeshausen - Zwischen Nordring und Hunte unweit der Wildeshauser Kläranlage wird seit dieser Woche mächtig gebaggert. Zwei Mitarbeiter der Hunte-Wasseracht heben dort ein 3700 Kubikmeter großes Staubecken aus.
Fachleute aus der Wasserwirtschaft sagen dazu Retentionsfläche. Sie bezeichnet eine neben einem Fluss liegende Fläche, die im Falle eines Hochwassers als Überflutungsfläche genutzt werden kann.
3063 Kubikmeter der Überschwemmungsfläche muss der Investor des Senioren- und Pflegewohnheims an der Hunte in Wildeshausen, Friedhelm Clasen, bauen lassen. Die übrigen 700 Kubikmeter schafft die Hunte-Wasseracht als Puffer. Die ausgehobene Erde wird an Ort und Stelle wieder verarbeitet. Die Retentionsfläche liegt im Landschaftsschutzgebiet „Mittlere Hunte“. Dort könnte sich somit ein Biotop für die Vogelwelt entwickeln.
In einem Erschließungsvertrag zwischen der Stadt und dem Investor sind die Kompensationen für das Überschwemmungsgebiet und den Naturschutz geregelt. So soll nördlich der A 1 eine Grünausgleichsfläche von 1,3 Hektar angelegt werden.
Das Senioren- und Pflegeheim an der Straße „Im Hagen“ mit 100 Pflegebetten und 30 Wohnungen liegt im Überschwemmungsgebiet der Hunte (die NWZ berichtete). Auf dem 5500 Quadratmeter großen Gelände befinden sich noch die Gebäude einer ehemaligen Schlachterei. Die Abrissarbeiten haben auch in dieser Woche begonnen.
Die Jahrhunderthochwassermarke an der Hunte in dem Bereich liegt bei 19,45 Meter über N.N., die Bodenplatte des neuen Gebäudes soll bei 20,20 Meter gegossen werden. Das Gelände wird somit um 75 Zentimeter aufgeschüttet.
Die Hunte in Wildeshausen hatte zuletzt in den Jahren 1994, 1995, 1998, 2001, 2008, 2011 und 2012 extrem hohe Pegelstände. Kritiker des Seniorenwohnheims sagen, dass die Überschwemmungsfläche zu weit von der Innenstadt ist. Sie hätte vor dem Bahndamm liegen müssen, um das Gebiet Stettiner Straße zu schützen.
