Nordenham - Der Kuchen wird immer kleiner, die Anzahl der Kuchenesser immer größer. Das ist das Problem, mit dem die Nordenhamer Tafel zurzeit zu kämpfen hat. Noch gelingt es dem Team von Dorette Wittje, die Bedürftigen mit dem Nötigsten zu versorgen. „Aber wenn das so weiter geht, müssen wir wohl bald eine Warteliste einführen.“
Dorette Wittje ist die Organisatorin der Nordenhamer Tafel, die im Bürgerhaus an der Viktoriastraße ihr Zuhause hat. Zurzeit werden in der ganzen Wesermarsch rund 1000 Menschen mit Lebensmitteln versorgt. „In den vergangenen Monaten sind viele Flüchtlinge dazugekommen“, sagt Tafel-Gründer Fred Memenga.
Fahrräder repariert
Auch an anderer Stelle bekommt das Bürgerhaus den Zuzug von Flüchtlingen deutlich zu spüren. Die Nachfrage nach Fahrrädern ist deutlich gestiegen. Deshalb hatte Sven Bergmann in den vergangenen Wochen alle Hände voll zu tun. Der 33-Jährige arbeitet ehrenamtlich in der Fahrradwerkstatt des Bürgerhauses. Er bringt gebrauchte Drahtesel auf Vordermann. Dabei handelt es sich oft um Räder, die vor den Werktoren der großen Nordenhamer Industriebetriebe abgestellt werden. Wenn sie dort monatelang ungenutzt stehen bleiben, kommen sie in die Werkstatt von Sven Bergmann. Auch private Fahrradspenden bekommt das Bürgerhaus. „Viele Flüchtlinge sind dringend darauf angewiesen“, sagt Fred Memenga. „Für sie ist es oft die einzige Möglichkeit, um etwas zu transportieren, um einzukaufen und überhaupt um mobil zu sein.“ Fred Memenga betont, dass die Fahrräder nicht nur an Flüchtlinge gehen. Es gebe auch viele andere Bedürftige, die sich ein Fahrrad oder eine Fahrradreparatur nicht leisten können. „Auch hier versuchen wir zu helfen.“
Dass bei der Tafel die Lebensmittelregale nicht mehr so gut gefüllt sind wie früher, hängt nach den Worten von Fred Memenga auch damit zusammen, dass die Logistik in den Geschäften besser geworden ist. „Es wird weniger weggeworfen. Lebensmittel, die kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen, werden zum halben Preis angeboten.“ In der Folge bleibt weniger für die Tafel übrig.
Zumindest für die nächsten Wochen rechnet der Tafel-Gründer dennoch nicht mit Engpässen. Das hängt mit der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung zusammen. Eine große Lebensmittelspende kam kürzlich von der neuapostolischen Kirche Nordenham. Der Round-Table-Club Brake hat Lebensmittelspenden bei Famila gesammelt. Eine ähnliche Aktion plant der Ladies’ Circle Nordenham im E-Center in Atens.
Kleidung und Spielzeug
Hinzu kommt, dass vor allem ältere Menschen der Tafel selbst eingekochte Marmelade zur Verfügung stellen. Neben Lebensmitteln und Fahrrädern werden zurzeit noch warme Kleidung und Spielzeug für Kinder benötigt.
