Detroit - „Was ist denn hier los?“, fragt ein Besucher der Detroit Auto-Show. Ein großer, futuristisch anmutender Apparat lenkt die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. „Druckt das Ding wirklich ein Auto?“. Genau das tut es – der 3D-Drucker ist eine der großen Attraktionen auf der wichtigsten Automesse Amerikas.
Durch Fenster aus Plastikfolie verfolgen die Zuschauer, wie das Hightech-Gerät hinter den Zeltwänden seinen Druckkopf in einem klaren Muster über ein Bauteil bewegt. Die Düse spritzt Heißkleber, der mit Glasfasern verstärkt ist. Schicht für Schicht. Nach und nach entstehen die Konturen von Karosserie und Fahrwerk. Ein Vorgeschmack für die „Industrie 4.0“ der Zukunft, ohne große Teile-Lagerung und dezentraler Produktion.
Die Firma, die für das Spektakel auf der Messe in Detroit verantwortlich zeichnet, heißt Local Motors. Das Unternehmen aus der Stadt Chandler im US-Bundesstaat Arizona produziert den „Strati“, einen tiefer gelegten Elektro-Zweisitzer, der wie eine skurrile Mischung aus einer Art Miniausgabe des Batmobils und einem Smart Coupé aussieht.
Der Produktionsprozess dauert 44 Stunden, doch der Entwickler Local Motors hat sich vorgenommen, ihn auf 24 Stunden zu reduzieren. Nachdem die Karosserie und das Fahrwerk gedruckt sind, werden die mechanischen Komponenten wie Motor, Batterien, Kabel und Federung ergänzt.
Die Firma sagt, ihr Verfahren sei umweltfreundlich, weil es weniger Material verschwendet. Zudem erlaube die Technik, Autos dort zu produzieren, wo sie benötigt werden. Dadurch müssten sie nicht verschifft werden.
Eine fertiggestellte Version des Strati können Messebesucher in Detroit im Ausstellungsbereich zur näheren Inspektion unter die Lupe nehmen. Wegen des bei der Drucktechnik verwendeten Plastiks glänzt die mattschwarze Lackierung nicht wie sonst üblich bei der Auto-Show.
Das Fahrzeug ist komplett mit Frontscheinwerfern und Windschutzscheiben. Es hat aber keine Türen – eingestiegen wird im Batman-Style.
Andere Autobauer haben ebenfalls schon einzelne Bauteile gedruckt, aber Local Motors sagt, es sei die erste Firma, die versuche, Karosserie und Fahrwerk zusammen auf diese Art herzustellen.
Das Unternehmen arbeitet noch daran, die Zulassung von der Verkehrsaufsicht zu bekommen, um sicherzustellen, dass das Auto auch wirklich auf die Straße gebracht werden kann.
Das Ziel ist, Ende 2015 die ersten Bestellungen annehmen zu können. Der Preis für den Strati soll zwischen 18 000 und 30 000 Dollar liegen.
