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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

„zeit Für Einen Wandel“: Das Ende der Freigiebigkeit in Saudi-Arabien?

03.10.2015
NWZonline.de NWZonline 2015-10-05T07:17:07Z 280 158

„zeit Für Einen Wandel“:
Das Ende der Freigiebigkeit in Saudi-Arabien?

Dschiddah Umgerechnet rund zehn Cent müssen Autofahrer in Saudi-Arabien für einen Liter Benzin bezahlen. Wasser ist vier Mal so teuer. Um die Kraftstoffpreise niedrig zu halten, gibt das Königreich jährlich rund zehn Milliarden Euro an Subventionen aus. Doch es scheint so, als ob sich Saudi-Arabien diese Freigiebigkeit nicht mehr lange leisten kann.

Denn nicht nur die Benzinpreise werden mit Geld aus der Staatskasse niedrig gehalten. Auch großzügige Sozialleistungen, kostenlose Gesundheitsversorgung oder Stipendien für teure ausländische Universitäten gehören zu den staatlichen Wohltaten. Knapp 590 Milliarden Euro hat Saudi-Arabien an Währungsreserven. Und die wird es angesichts der sinkenden Ölpreise in den nächsten Jahren auch benötigen: 90 Prozent der staatlichen Einkünfte stammen aus dem Verkauf von Rohöl.

Fällt der Ölpreis unter 70 Dollar pro Barrel, beginnt Saudi-Arabien Geld zu verlieren. Momentan bewegt sich der Ölpreis um die 50 Dollar pro Barrel. Damit, so haben Experten errechnet, könnte Saudi-Arabien sein derzeitiges Ausgabenniveau nur noch bis zum Jahr 2020 halten. „Dann wird es schwierig“, sagt Karen Young vom Arab Gulf States Institute (AGSIW) in Washington.

Von einer akuten Krise will Young zwar nicht sprechen. „Aber es ist eine Frage der Zukunftsplanung“, sagt sie. Sollte sich Saudi-Arabien entschließen, schon jetzt die Investitionen in die Infrastruktur zurückzufahren, könne es die Sozialausgaben etwa weitere 30 Jahre auf dem aktuellen Stand halten. Auf jeden Fall wird die Bevölkerung die Auswirkungen in der einen oder anderen Form zu spüren bekommen.

„Wir haben keine Angst“, sagt Saeed al-Ghamdi, während ein südostasiatischer Gastarbeiter seinen Wagen an einer Tankstelle in Dschiddah auftankt. Selbst wenn die Regierung den Ölpreis um 50 Prozent anhebe, werde er nur ein paar Riyal mehr für die Tankfüllung bezahlen.

Nicht alle seiner Landsleute sehen das so gelassen. Schon jetzt beklagen sich viele in den sozialen Medien darüber, dass die Gehälter nicht ausreichen, den Lebensunterhalt zu finanzieren. Für die meisten Normalverdiener sind die Mietpreise unerschwinglich. Nach Auskunft des Immobilienmaklers Jones Lang LaSalle liegen sie für einen Durchschnittshaushalt bei umgerechnet rund 1000 Euro pro Monat. Der Monatsverdienst eines Haushalts mit mittlerem Einkommen schwankt zwischen 1400 und 4800 Euro.

Kaum jemand rechnet damit, dass die Regierung die Benzinpreise in nächster Zeit anheben wird. Auch die Schura, die beratende Versammlung des Königreichs, ist gegen einen solchen Schritt, wie Schura-Mitglied Said al-Schaich erklärt. Wenn die Regierung stattdessen schrittweise die Energiesubventionen abschaffe, würde das zunächst nur die Unternehmen treffen „und nicht zwangsläufig den Lebensstandard der Bevölkerung beeinträchtigen“, sagt Al-Schaich.

Vorläufig dreht die Regierung offenbar nicht an der Ausgaben-, sondern an der Einnahmenschraube. Das praktisch schuldenfreie Königreich will Wertpapiere emittieren. Im nächsten Jahr würden Anleihen im Wert von rund 48 Milliarden Euro platziert, schätzt Fahad Alturki, Chefökonom der saudiarabischen Kapitalgesellschaft Jadwa Investment.

Um langfristig unabhängiger vom Erdöl zu werden, plant Saudi-Arabien den Bau des größten Hafens am Persischen Golf. Außerdem soll die King Abdullah Economic City, ein Megaprojekt mit Industriepark am Roten Meer, wachsen und ausländische Unternehmen anlocken.

Für das Königreich Saudi-Arabien ist wirtschaftlicher Wohlstand ein entscheidender Stabilitätsfaktor. Die sprudelnden Einnahmen aus dem Ölgeschäft seien, sagt Young, auch dazu genutzt worden, an der politischen Front für Ruhe zu sorgen. Doch nun sei - unabhängig von der Höhe der staatlichen Ausgaben für die Bevölkerung - eine Mobilisierung der politischen Identität zu beobachten. Die goldenen Jahre hoher Ölpreise seien vorbei. „Wenn die Machthaber klug sind, dann erkennen sie das“, sagt Young. „Jetzt ist die Zeit für einen Wandel gekommen.“