Oldenburg - Kaum mehr Potenzial bei deutschen Aktien gemessen am Deutschen Aktienindex Dax, nun aber endlich (!) steigende Zinsen und, mit einer Ausnahme, ein leicht steigender Eurokurs – das ist zusammengefasst die Prognose von Kapitalmarktexperten nordwestdeutscher Kreditinstitute für Ende 2017 (siehe Grafik).
Aktien
Zwischen 11 300 und 12 200 Punkten bewegt sich die Bandbreite der Prognosen für Ende 2017 beim deutschen Börsenbarometer Dax. Am unteren Ende der Skala rechnet Daniel Steigmann, Filialdirektor der Deutschen Bank in Oldenburg, außerdem mit „hohen Schwankungen“. Wenig Potenzial gibt auch Sven Litke, Leiter des Bereichs Vermögensmanagement bei der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO), den Aktien. Sein Fazit: „Stetiger Wechsel von Licht und Schatten bei moderatem Wachstum.“
Harald Lesch, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Volks- und Raiffeisenbanken Weser-Ems (AGVR), zieht die Hoffnung auf ein paar Dax-Punkte mehr aus einer weiter robusten Konjunktur – „weltweit, in den USA und im Euroraum“.
Für Carsten Brömstrup, Leiter Anlagestrategie bei der Oldenburgischen Landesbank AG (OLB), lautet das 2017er Motto in Anspielung auf den kommenden US-Präsidenten: „Ein Trumpel macht dem Markt Beine.“ Ein wirtschaftlich starkes Amerika komme auch Deutschland zu Gute, „und wenn die Gier uns alle packt, fragt eh keiner mehr nach dem ,Warum‘?“.
Globales Wachstum und steigende Unternehmensgewinne – das sind die Faktoren, mit denen Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank (BLB), am optimistischsten ist und weiter steigende Aktienkurse bis auf 12 200 Dax-Punkte begründet. Außerdem würden höhere reale Negativzinsen die Aktienmärkte unterstützen.
Euro
Beim Euro erwarten vier von fünf Experten eine leichte Erholung. Nur Deutsche-Bank-Filialdirektor Steigmann sieht „den Dollar auf der Überholspur“ wegen höherer Zinsen in den USA mit entsprechenden Kapitalflüssen dorthin. BLB-Analyst Hellmeyer hingegen verweist auf die „strukturellen Probleme der USA“. Litke von der LzO und Brömstrup von der OLB erwarten zwar zunächst einen schwächeren Euro. „Zum Jahresende, wenn politische Klarheit herrscht und die EZB geldpolitisch ein wenig mehr vom Gas geht, sollte der Euro aber wieder zulegen“, heißt es etwa bei der OLB. Für Lesch von den Genossenschaftsbanken lässt die unterschiedliche Geldpolitik in den USA und Europa „den Euro bei 1,10 Dollar einpendeln“.
Zinsen
Die deutschen Sparer sehnen höhere Zinsen herbei. Und die heimischen Experten sagen: Nun endlich! Aber mit gezogener Handbremse. Hellmeyer von der BLB sieht einen Anstieg der Renditen „im Zuge zunehmender Preisinflation“, aber weiterhin negative Realzinsen. LzO und OLB erwarten einen Zinsanstieg, der sich „insgesamt aber in Grenzen halten wird“, so formuliert es Brömstrup, weil Bundesanleihen als sicherer Hafen gelten und weiter gefragt sein werden.
Noch zurückhaltender sind Deutsche Bank und Genossenschaftsbanken. Zwar würden die steigenden US-Zinsen die deutschen Renditen nicht unberührt lassen. Aber Unsicherheiten im Euroraum (Brexit, Italien) „werden die Nachfrage nach Bundesanleihen hoch halten“, meint auch Lesch, was den Zinsanstieg begrenzt.
Bilanz 2016
Die Prognose-Bilanz der heimischen Kapitalmarktexperten für 2016 fällt gemischt aus. Die besten Ergebnisse gab es beim Dax. Der OLB gelang hier mit den erwarteten 11 450 Punkten nahezu eine Punktlandung. Beim Eurokurs lagen die Genossenschaftsbanken am nächsten dran mit ihrer Prognose der Parität (1:1) zum Dollar. Fahrkarten schossen hingegen alle Analysten bei den Zinsen. Zum wiederholten Mal setzten alle fünf Experten auf steigende Zinsen – das Gegenteil traf mit zeitweiligen Negativzinsen ein. Nächster Versuch 2017!
