Oldenburg - Gegacker und Gekrähe ertönen in den Oldenburger Messehallen. Der Geräuschpegel ist schon vor der eigentlichen Eröffnung der Geflügelausstellung tierisch hoch. Am Freitag wurden die Tiere von Preisrichtern bewertet. Sonnabend und Sonntag ist die Ausstellung für Besucher zugänglich.

Mit der Geflügelindustrie hat diese Messe wenig zu tun. Der Oldenburger Geflügelverein, der hinter der Veranstaltung steht, vereint Hobbyzüchter und Geflügelliebhaber. „Wir stellen hier ein deutsches Kulturgut aus“, betont Vereinsvorsitzender Wolfgang Riemer (66).

Insgesamt sind auf der Ausstellung 60 verschiedene Rassen vertreten. Neben Hühnern, werden Gänse, Enten, Perlhühner, Zwerghühner und Tauben ausgestellt. Die 118 Aussteller haben Tiere von unterschiedlichsten Farben und Befiederung nach Oldenburg gebracht, um ihre Zucht von fachkundigen Preisrichtern bewerten zu lassen.

Die Bewertung ist vor allem für die Züchter selbst interessant, um den Stand der eigenen Zucht einordnen zu können. Aber auch für den Rassenerhalt ist das Festhalten von Merkmalen wie die Farbe der Augen und Beine oder der Befiederung wichtig. Außerdem wird das Verhalten der Tiere bewertet. Wirtschaftlichkeit spielt für die Preisrichter keine Rolle.

In Zeiten von verschiedenen Arten der Geflügelpest, wie der Vogelgrippe, steht das Hobby unter keinem guten Stern. Auch Hobbyzüchter müssen ihre Bestände melden, Pflichtimpfungen vornehmen und in die Tierseuchenkasse einzahlen. „Mit diesen Abgaben unterstützen die Züchter unfreiwillig die Geflügelindustrie in Deutschland“, sagt Riemer. Die aktuellen Bestimmungen bezüglich der Vogelgrippe behindern die Ausstellung in diesem Jahr nicht. Die Tiere halten sich ohnehin im Stall auf und eine Abdeckung ist wegen der Überdachung der Messehallen auch nicht nötig.


Die meisten Hobbyzüchter sprechen sich klar gegen die heutige Geflügelindustrie aus. „Ich verzehre nur Eier und Fleisch meiner eigenen Hühner. Hähnchenschnitzel aus dem Handel kaufe ich schon aus ethischen Gründen nicht“, erzählt Wolfgang Riemer und kritisiert Haltungsbedingungen sowie Qualität der Geflügelerzeugnisse. Außer der Pflichtimpfung gegen die Amerikanische Geflügelpest, werden die Tiere der Hobbyzüchter nicht medikamentös behandelt.

Die Ausstellung verdeutlicht die Vielfalt der Geflügelzucht der Region. Die Rassen unterscheiden sich stark in Größe, Federkleid, Kamm und Augenfarbe. Viele sind vom Aussterben bedroht. Dank der Hobbyzucht kann am Wochenende auch das Urhuhn in das allgemeine Gegacker mit einstimmen.