Emden - Über dem Emder VW-Werk zeigte sich der Himmel dieser Tage im schönsten Blau. Drinnen aber wird viel über einige Wölkchen diskutiert, die am Horizont des Automarktes auszumachen sind. Kommt gar vorübergehend eine Vier-Tage-Woche, um aktuelle Schwankungen auf einigen Exportmärkten abzufangen?

Solche Berichte seien „Spekulation“, sagte Werksleiter Andreas Dick oben im Sitzungsgebäude des Werkes. Mit dem Betriebsratsvorsitzenden Peter Jacobs stellte der Neue sich am Donnerstag vor. Im April war er aus China in das Passat-Leitwerk nach Emden gekommen.

Große Herausforderungen sind dort die Produktionsumstellungen auf das neue Modell CC, das im Frühjahr 2017 anrollen wird, und Schwächen in einigen Exportmärkten des Passat. Das drückt die Produktion.

Vor allem aber wegen der Umstellung auf das Modell CC werde an vier Tagen nach dem Feiertag 3. Oktober und in der Woche vor Weihnachten nicht gearbeitet, wurde bestätigt. Freischichten zu diesem Zweck seien schon länger geplant gewesen, betonte Dick – auch, „weil das alte Modell ausläuft und das neue noch nicht produziert wird“.

Dass es von Oktober an noch weitere Schließtage geben werde, das stehe im Raum, aber es sei offen wie viele. „Wir müssen sehen, wie sich der Absatz entwickelt. Bis dahin fahren wir auf Sicht“, sagte der Werksleiter.


Im Umfeld des Werkes wird über bis zu acht Schließtage spekuliert – möglicherweise einzeln bis in den Dezember. Mancher unter den gut 9500 Mitarbeitern (plus 1000 Leiharbeitskräften) am Standort Emden sieht darin, falls es so kommen sollte, zeitweilig eine Vier-Tage-Woche.

Gebremst wird der Absatz zurzeit unter anderem in Großbritannien (Verunsicherung nach Brexit-Votum), in der Türkei (nach dem Putschversuch) und in Korea (Verkaufsverbot im Zuge des Abgas-Skandals).

Dick und Jacobs machten klar, dass die Maßnahmen in Emden bis Jahresende unter anderem durch Guthaben auf Arbeitszeitkonten abgefangen werden. Ein weiterer Abbau von Leiharbeitsstellen liege 2016 nicht mehr an. Allerdings grübelt mancher schon über 2017 – das sind die Wolken am Emder Himmel.

Im Werk denkt man derweil nicht nur über aktuelle Schwankungen nach. Betriebsratschef Peter Jacobs forderte Dick auf, sich bei der Konzernspitze für Investitionen und für die Produktion eines vierten Modells (neben Passat-Limousine, Variant, CC) einzusetzen – eine alte Forderung. Jacobs’ Kalkül: Der Standort soll mit einer Produktion von möglichst mehr als den aktuellen 1250 Autos am Tag gesichert werden.

„Im Hochlohnland Deutschland müssen wir auf Effizienz achten“, betonte dazu Dick. Dies habe Folgen für das Personal, es gebe aber weitere Stellschrauben. Ein „Zukunftspakt“, der den Sparkurs bei VW mit der Sicherheit der Jobs ausbalancieren soll, wird derzeit zwischen Management und Betriebsrat verhandelt. In Emden sieht das der neue Werks-Chef (45) ganz sachlich. Und er sagt: „Ich fühle mich wohl hier.“ Das hört man im Werk gern, nach der Fluktuation an der Spitze. Diesen Trend will Dick nämlich „brechen“, sagt er.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)