Apen - Der schlimmste Tag ihres beruflichen Lebens liegt schon mehr als 20 Jahre zurück, doch die Erinnerung ist sehr präsent. Anfang der 90er Jahre wurde die Bankangestellte Anke Harpain in Nordloh überfallen. „Kurz vor zwölf Uhr mittags kam noch – wie ich dachte – ein Kunde. Plötzlich hielt der mir eine Waffe an den Kopf, und ich musste den Tresor öffnen und ihm das Geld geben. Er hat mich dann auch noch eingesperrt. Später haben sie den Täter übrigens gefasst.“ Trotz des Schocks sei sie am nächsten Tag wieder in der Filiale erschienen und habe gearbeitet. Aber: „Das Erlebnis sitzt tief“, sagt die 53-Jährige.
Der Bank ist sie dennoch treu geblieben – bis heute. Allerdings orientiert sich Anke Harpain gerade um. Sie ist das neue Gesicht im frisch umgebauten Aper Bürgerbüro. Vormittags ist sie derzeit im Rathaus anzutreffen und nachmittags an einem Bank-Schreibtisch in Edewecht. „Das ist aber nur für die Übergangszeit. Meine Kündigungsfrist ist so lang“, erklärt die Mutter eines inzwischen erwachsenen Sohnes das Konstrukt. „Wir sind froh, dass die Bank das mitmacht“, sagt Henning Jürgens. Er ist bei der Gemeinde der Bürgerdienste-Fachbereichsleiter.
Künftig wird Anke Harpain nicht nur morgens, sondern zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses an dem rot-grau verkleideten Servicetresen im Untergeschoss sitzen. Von diesem sogenannten Infopunkt aus ist sie den Bürgern – oder wie sie sagt „Kunden“ – telefonisch oder von Angesicht zu Angesicht behilflich. „In dem ersten Monat, den ich nun hier bin, habe ich viel Positives erlebt“, sagt die Aperbergerin. „Die Leute freuen sich, jetzt einen direkten Ansprechpartner zu haben.“
Sperrmüllkarten und häufig nachgefragte Formulare teilt sie beispielsweise sofort aus. Sind die Anliegen diffiziler, verweist die Frau mit den kurzen dunklen Haaren und der auffälligen Brille an das jeweils zuständige Büro weiter. „Empfang und Telefonzentrale: Das liegt mir am meisten. Es bereitet mir Freude und macht mich zufrieden, wenn ich jemandem helfen kann.“ Nach einer kurzen Pause fährt sie fort: „Öffentlicher Dienst heißt, der Öffentlichkeit zu dienen.“
Diese Einstellung ist es, die Jürgens an seiner Mitarbeiterin schätzt. „Wir wollen mit der neu geschaffenen Stelle den Dienstleistungscharakter des Bürgerbüros betonen. Der freundliche Kontakt zu den Kunden, der ist wichtig.“ Zustandekommen soll dieser Kontakt auch am Sonntag, 6. Juli. Dann findet ein Tag der offenen Tür im Rathaus statt, bei dem unter anderem das umgebaute Bürgerbüro präsentiert wird.
Anke Harpain wird dabei sein. Und wenn sie mal nicht zum Wohle der Allgemeinheit tätig ist, geht sie ihren Hobbys nach. „Ich fotografiere und male“, erzählt sie. Auch unternehme sie gern Spaziergänge und fahre mit dem Rad – am liebsten in Begleitung ihres Mannes.
