Bochum - Der Neuling in der obersten Börsenliga hat auch einen neuen Namen: Mit Vonovia ist erstmals ein Immobilienunternehmen in den Dax eingezogen. Vielen besser bekannt sein dürfte das größte deutsche Wohnungsunternehmen jedoch unter seiner alten Bezeichnung Deutsche Annington.

Mit der Abkehr vom alten Namen soll auch ein Strategiewechsel verdeutlicht werden: Weg vom früher oft zitierten Image des „Heuschrecken“-Investors mit verrottenden Wohnungen hin zu einem „kundenorientierten Unternehmen“. Das in dieser Woche aus der Taufe gehobene petrolfarbene Unternehmenslogo soll aber auch für den gemeinsamen Neubeginn nach dem Zusammenschluss mit dem bisherigen Konkurrenten Gagfah stehen.

Der ehemalige Bertelsmann-Manager Rolf Buch steht seit gut zwei Jahren an der Spitze des mit bundesweit rund 370.000 Wohnungen größten deutschen Vermieters. Unter seiner Regie wurde aus einem Unternehmen im Besitz eines Finanzinvestors eine seit 2013 börsennotierte Gesellschaft mit einem breiten Streubesitz.

Nun will Buch einen Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen. „Das Management musste vor 2013 so viel Cash herausholen wie eben ging, um die Zinsen zu bedienen. Damit blieb nur wenig übrig für Instandhaltung. Heute investieren wir massiv in unsere Wohnungen. Das ist übrigens auch wirtschaftlich sinnvoller“, stellt der Vonovia-Chef im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur fest.

Im laufenden Jahr will das Unternehmen rund 31 Euro je Quadratmeter in seinen Wohnungsbestand investieren und so auf eine Gesamtsumme von 600 bis 640 Millionen Euro kommen. Je etwa zur Hälfte soll das Geld für Instandhaltungen und Modernisierungen ausgegeben werden. Noch 2010 hatte dieser Wert bei nur 14 Euro je Quadratmeter gelegen, 2007 bei rund 11 Euro.


Mit seiner Strategie trifft der Dax-Neuling offenbar auch die Wünsche vieler Anleger. „Wir erwarten, dass Vonovia das Imageproblem löst“, sagt Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Mit der Umsetzung könne es allerdings noch ein paar Jahre dauern, vermutet Tüngler. In jedem Fall sei das Unternehmen gut beraten, „ein Ohr am Mieter“ zu haben.

Trotz des Dax-Aufstiegs und der Umbenennung sei für die Mieter kein Grund zur Freude zu erkennen, so die Geschäftsführerin des Deutschen Mieterbunds in Nordrhein-Westfalen, Silke Gottschalk. Fraglich sei immer noch, ob der „Wandel vom Saulus zum Paulus“ tatsächlich gelungen sei, so Gottschalk.

„Profite durch Vernachlässigung scheint in der Tat nicht mehr die Strategie des Unternehmens zu sein“, räumte sie ein. Zwiespältig sei aus Sicht der Mieterschützer jedoch vor allem der erwartete Anstieg von Investitionen in Modernisierungsmaßnahmen, deren Kosten über Mieterhöhungen auf die Bewohner umgelegt werden könnten.

Nach den milliardenschweren Zukäufen der Vergangenheit plant das Unternehmen nun nach den Worten von Buch nicht zwangsläufig weitere Übernahmen. „Wir haben eine Strategie, dass wir ohne Akquisitionen weiter wachsen können, zum Beispiel durch neue Dienstleistungen für unsere Mieter. Akquisitionen sind nur der Turbo“, kündigt der Vonovia-Chef an.

Größere Wohnungsbestände ab etwa 1000 Einheiten, die auf den Markt kämen, werde man sich jedoch auch künftig ansehen, kündigt er an. „Technisch möglich“ sei für Vonovia die Bewirtschaftung deutlich größerer Wohnungsbestände. „Bei einer Millionen Wohnungen sehe ich kein Problem“, sagt Buch.

Aktionärsschützer Tüngler wünscht sich nach den Übernahmen der Vergangenheit dagegen nun eine Art „Verdauungspause“. „Ich bin froh, wenn es mit kleinen Babyschritten weitergeht“, sagt er. Für den Dax sei es gut, dass ein „langweiliges stabiles Immobilienunternehmen“ hereingekommen sei.