DELMENHORST - Am Tag der Arbeit sind Hunderte Delmenhorster in einem Demonstrationszug durch die Innenstadt gegangen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte unter dem Motto „Gute Arbeit für Europa – Gerechte Löhne – Soziale Sicherheit“ zu einer Kundgebung am Bismarckplatz aufgerufen. Anschließend lauschten die Teilnehmer der Mairede von Susanne Kremer, der stellvertretenden Landesleiterin von Verdi-Niedersachsen. Sie sprach unter anderem über Europa und die Finanzschuldenkrise.
Bereits am Abend zuvor hatte Oberbürgermeister Patrick de La Lanne Vertreter der Gewerkschaften im Rathaus zum traditionellen Arbeitnehmerempfang begrüßt. „Wo bleibt die Gerechtigkeit?“ fragte der Oberbürgermeister zu Beginn der Veranstaltung. Die Schere zwischen Reich und Arm sei in den vergangenen Jahren drastisch auseinander gegangen. Gerechtigkeit würde unter anderem die Wirtschaft und den Zusammenhalt in Deutschland befördern. De La Lanne will sich darum für einen flächendeckenden Mindestlohn einsetzen. „Das sehe ich als Lösungsansatz“, sagte der Oberbürgermeister.
Gastrednerin des Abends war Heike Klattenhoff, stellvertretende Geschäftsführerin der Gewerkschaft „verdi“, Bezirk Weser-Ems. Auch sie sprach von einem flächendeckenden Mindestlohn. Dieser würde unter anderem mehr Geld in die Sozialkassen bringen und das Fundament für höhere Löhne bilden. Klattenhoff: „Wenn die Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklärt werden würden, würden wir uns freuen. Ein Drittel aller Arbeitnehmer zahlen nur noch nach Tarif.“
Auch sprach sie als Problem an, dass Hart IV-Empfänger keine Beiträge zur Rentenversicherung bekommen würden. Minijobs könnte sich laut Klattenhoff unsere Gesellschaft nicht mehr leisten. „Es sollen keine Vollzeitstellen mehr in Minijobs umgewandelt werden. Es geht nicht um deren Abschaffung, sondern darum, dass jede Form der Beschäftigung gleich behandelt wird. Minijobber sind nicht sozialversicherungspflichtig“, sagte Klattenhoff. Des Weiteren fordere „verdi“ eine allgemeine Finanzreform sowie eine sichere Steuereinnahmesituation in öffentlichen Haushalten. Am Ende der Veranstaltung trugen sich die Vertreter der Gewerkschaften in das Gästebuch der Stadt ein.
Bei den vielfältigen Maifeiern in der Stadt blieb es überwiegend friedlich. Die Polizei registrierte lediglich zwei Fälle von Körperverletzung.
