DELMENHORST - Wer jetzt durch die Gewächshäuser von Ralph Arkenau spaziert, dem geht das Herz auf. Zum Frühlingsanfang strahlen unter seinen Glasdächern gelbe Primeln mit Osterglocken und Tulpen um die Wette. „Ab zehn Grad Celsius werden die Leute kribbelig“, sagt der Gärtnermeister und Florist aus Delmenhorst. „Nach dem harten Winter in diesem Jahr ist die Lust auf Farbe und Blumen besonders groß.“
Die Meteorologen sprechen zwar nicht unbedingt von einem Rekordwinter. Doch besonders im Norden und im Nordosten türmten sich in den zurückliegenden Wochen ungewöhnlich hohe Schneemassen. Nun ist der Abschied vom Winter in greifbarer Nähe. Überall steigen die Temperaturen spürbar. „Wir merken jedes Grad mehr abends in der Kasse“, freut sich der 46-jährige Gärtner Arkenau, der seinen Betrieb in der vierten Generation führt. Dieses Jahr zieht er etwa 200 000 Frühblüher wie Primeln und Stiefmütterchen heran.
Mehr Licht und Wärme - das sind die Wurzeln für die Frühlingsgefühle, die bei den Menschen in diesen Tagen wach werden. „Viele vergessen dieses evolutionäre System, dem wir uns als Kinder der Natur gar nicht entziehen können“, erläutert der Berliner Biopsychologe Peter Walschburger. „Durch mehr Sonnenlicht wird in unserem Körper auch mehr Serotonin produziert. Das Glückshormon weckt unsere Lebensgeister und wirkt wie ein Frühjahrsputz für die Seele.
Und mit dem Frühling steigt auch das Kribbeln im Bauch, die Lust auf Bewegung, auf Erotik und Sex. „Sensible Menschen spüren diese intime Wechselbeziehung zwischen Gefühl und Körper besonders stark“, sagt der 63-jährige Wissenschaftler. Wem die dunkle Winterzeit allzu tief in den Knochen steckt, der sollte sich seinen Gefühlen besonders öffnen, rät Walschburger.
Also raus ins Licht zum Spaziergang, bewegen, der inneren Uhr folgen, gesund ernähren. „Das gibt mir eine Riesenkraft“, ergänzt der begeisterte Sportler Walschburger, der selbst Ski fährt und Tennis spielt. Andere haben jetzt das Bedürfnis, nicht nur die Seele, sondern auch ihre Umgebung in neuem Licht erstrahlen zu lassen.
Denn es sind besonders die hellen und frischen Farben in den Blumengeschäften, die mit einem Mix aus Licht, Luft und Wärme die Sinne kitzeln. „Wenn es draußen 15 Grad sind“, sagt Gärtnermeister Arkenau, „müssen wir uns auf einen enormen Ansturm gefasst machen.“
