DELMENHORST - „In Kenia werden Behinderte meist ignoriert und versteckt. Hier in Deutschland begegnet man ihnen mit mehr Liebe, behandelt sie wie Brüder.“ Joseph Kiprono sitzt in einem Aufenthaltsraum des Wohnheims für Behinderte, das die Lebenshilfe in der Delmenhorster Hansastraße betreibt. „Deswegen sind wir hierher gekommen. Wir hoffen, dass wir etwas lernen, was wir in unserer Heimat anwenden können.“ Neben Kiprono sitzt Stephen Thangwa Boro. Die beiden leisten seit rund zwei Monaten ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in dem Wohnheim. Jeden Tag ab 15 Uhr betreuen sie die Bewohner der Einrichtung, helfen ihnen ihrem Alltag. Ihr Feierabend beginnt meist zwischen 21 und 22 Uhr.
Die Beiden erzählen, dass ihnen die Arbeit mit den Behinderten viel Spaß mache, auch wenn es – wie Thangwa Boro ergänzt – manchmal auch schwierig sei. Beispielsweise wenn die Heimbewohner gestresst nach Hause kommen und erst einmal beruhigt werden müssen.
Dass es für die beiden jungen Afrikaner zu Anfang nicht immer einfach gewesen sei, berichten Meike Müller und Gila Nattke. Müller ist Mitglied des Delmenhorster Lebenshilfe Vorstandes, Nattke leitet den Bereich Wohnen bei der Organisation. Auch Deutsche, die ein FSJ machen, müssten sich zuerst eingwöhnen. Das gelte umso mehr für Kenianer, die sich zusätzlich noch eine Fremdsprache aneignen und sich in einer fremden Kultur zurechtfinden müssen. Nattke: „Es unterscheidet sich hier ja schon sehr von ihrem Heimatland. Als sie vom Flughafen kamen, bin erst einmal mit ihnen einkaufen gegangen.“ Dort haben sie beispielsweise erklären müssen, wie man einen Einkaufswagen bekommt. Bei aller Hilfe, sagt Nattke, „mussten sich die beiden vor allem allein durchschlagen.“
Die Behinderten hätten trotz der anderen Hautfarbe keine Anfangsschwierigkeiten gehabt. Ihr Sohn, der selbst in dem Heim lebt, erzählt Müller, habe ihr gesagt, dass die beiden neuen Betreuer „ganz normal“ seien.
Der Kontakt zwischen der Lebenshilfe und den beiden Kenianern ist über den Präsidenten des Landesverbandes des Oldenburg des Deutschen Roten Kreuzes, Dieter Holzapfel, zustande gekommen. Seine Enkelin Elisa Traut (20) hatte einige Monate in einer sozialen Einrichtung in Kenia gearbeitet und so die beiden jungen Männer kennengelernt. Holzapfel zahlte aus eigener Tasche die Gebühren für die Visa der beiden.
