Oldenburg - Spaziergänger, Autofahrer, Sportler, Menschen. Bilder zeigen den Betrieb auf einer gewöhnlichen Landstraße am Tage. In der Nacht dokumentieren sogenannte Fotofallen, bei den Kameras durch Bewegungsmelder oder ähnliches ausgelöst werden, an der gleichen Stelle Wildtiere. Fotofallen helfen mithin auch beim Nachweis von Wölfen.
Markus Bathen, Leiter des Nabu-Wolfsbüros Lausitz, berichtete in der Aula der Cäcilienschule über das Leben der Wölfe. „Der Wolf ist ein leises und unauffälliges Tier, daher erscheint er vielen kurios“, sagte Bathen. Das Nabu-Projekt „Willkommen Wolf“ soll in Deutschland für Aufklärung sorgen und die Furcht vor dem Tier mindern.
Vor allem steht die Diskussion mit der Bevölkerung im Vordergrund. In Niedersachsen wird über den Wolf aktuell am stärksten diskutiert. Viele Teilnehmer hatten daher auch Fragen an den Referenten.
Über die Gefahren des Wolfes für Menschen gibt es keine einhellige Meinung. Nach einer Studie des Norwegischen Institutes für Naturforschung (NINA) gab es zwischen 1950 und 2000 neun Angriffe des Wolfs auf den Menschen. Jedoch nicht grundlos: Fünf Wölfe waren an Tollwut erkrankt, die übrigen vier wurden angefüttert. Seit 2000 gab es gar keine Wolfsangriffe mehr. „Ein Wolfsangriff ist die absolute Ausnahme“, erklärte Bathen.
Außerdem scheue der unauffällige Wolf die Menschen. Bathen präsentierte eine nächtliche Wanderung einer Wolfsdame auf dem Beamer: Auf einer Strecke von 56 km kreuzte das Tier an nur 15 Stellen die Gebiete der Menschen; wie etwa Straßen, Industriegebiete und Äcker. Auf diese Weise kürze ein Wolf seine Wege ab. „Trotzdem merkt man nicht, dass der Wolf da ist“, so Bathen.
Für die Nahrung sind Rehe und Rothirsche für Wölfe am wichtigsten. Nur zu 0,8 Prozent vergreife er sich an Nutztieren. Bathen verdeutlichte in seinem Vortrag: „Das Überleben des Wolfs hängt nicht von Nutztieren ab.“ Deshalb sei es wichtig, dass man sich frühzeitig um den Schutz seiner Herden kümmere. „Jedes Tier kann geschützt werden“, so Bathen weiter.
Aus Sicht des Referenten ist das nur eine Frage, wie der Herdenschutz bezahlbar gemacht und praktikabel umgesetzt würde, zum Beispiel mit 90 Zentimeter hohen Zäunen. Denn natürlich passten Schafe und Ziegen in das Beuteschema des Wolfes. Aber durch Aufstellen von Zäunen lernten sie erfahrungsgemäß schnell, sich fernzuhalten.
Ein Wolfsmanagement in den Bundesländern soll Jagdbehörden, Wolfsschützer, Schafhalter sowie andere Verbände und Interessengruppen zusammenbringen, um sich auszutauschen und auf den Wolf vorbereitet zu sein. In Sachsen gibt es so einen Managementplan bereits seit 2009. So funktioniere dann auch die Nachbarschaft von Wolf und Mensch.
Die Stimmung der Gäste war dem Wolf gegenüber sehr positiv. „Ich kenne mehr durchgeknallte Hunde als Wölfe“, kommentierte ein Besucher. „Es ist gefährlicher für Kinder, über eine grüne Ampel zu gehen, als von einem Wolf gesehen zu werden“, meinte ein anderer. Ein Zuhörer ergänzte aber auch: „Angst spielt eine große Rolle in der Bevölkerung und die muss man ernst nehmen.“ Und das will Bathen mit seinen Vorträgen erreichen: „Solange alles zivilisiert abläuft, stehe ich auch gerne vor 100 Wolfsgegnern. Denn gerade die will ich erreichen. Keiner soll sich allein gelassen fühlen.“
