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Das Erfolgskonzept zur Erhaltung von Baudenkmälern soll einem großen Publikum präsentiert werden. Projektleiterin Dr. Julia Schulte to Bühne sieht großen Handlungsbedarf.
Von Hans Drunkenmölle
Frage:
An diesem Mittwoch präsentiert die Stiftung Kulturschatz Bauernhof ihren Monumentendienst bei der Exponatec Cologne. Was wollen Sie mit der Präsenz auf dieser internationalen Fachmesse für Museen, Konservierung und Kulturerbe in Köln erreichen?
Schulte to Bühne:
Wir wollen zeigen, dass wir mit unserem Modell öffentlich-privater Partnerschaft ein idealer Partner für alle sind, die sich im Denkmalschutz engagieren. Wir haben ein hervorragendes und gut funktionierendes zukunftweisendes Konzept, mit dem man Eigentümern von Denkmälern Wege weisen kann, wie ihre historischen Gebäude in gutem Zustand bleiben oder saniert werden können.
Frage:
Ist der Zustand kulturhistorischer Bausubstanz hierzulande wirklich so schlecht, wie oft behauptet wird?
Schulte to Bühne: In Niedersachsen gibt es seit 30 Jahren ein Denkmalschutzgesetz und in dieser Zeit hat sich die staatliche Denkmalpflege sehr gut um Baudenkmäler gekümmert. Dennoch sind viele Gebäude durch mangelnde oder unsachgemäße Pflege in einem beklagenswerten Zustand da gibt es dringenden Handlungsbedarf.
Frage:
Übernimmt der Monumentendienst in dieser Situation Aufgaben, die der Staat nicht mehr erfüllen kann?
Schulte to Bühne:
Nein. Der Monumentendienst ist vielmehr ein kompetenter Ansprechpartner für alle Menschen, die nicht über das notwendige Fachwissen verfügen und deshalb neutrale und praktische Beratung suchen, um dem langsamen und vielfach unbemerkten Verfall von Bauwerken entgegen zu wirken.
Frage:
Was ist Ihre Zielgruppe und welche Leistungen können Sie bieten?
Schulte to Bühne:
Wir sind Dienstleister für alle Denkmaleigentümer und Besitzer historischer Gebäude das Spektrum reicht dabei vom kleinen Landarbeiterhaus bis zur großen Schlossanlage. Unsere Fachleute ermitteln bei einer Inspektion Schäden und dokumentieren das Ergebnis in einem Bericht, der Mängel erfasst und nach der Dringlichkeit von Reparaturen bewertet. Auf dieser Basis macht der Monumentendienst Vorschläge zur Instandsetzung. Die Mitgliedschaft im Monumentendienst gibt es für einen Jahresbeitrag von 40 Euro. Eine Inspektion kostet in der Regel rund 250 Euro. Mittlerweile nutzen schon mehr als 400 Mitglieder dieses Angebot.
Frage:
Bieten Sie diesen Service im gesamten Bezirk Weser-Ems an?
Schulte to Bühne:
Noch nicht, aber das ist unser ehrgeiziges Ziel. Unsere Pilotregion waren die Landkreise Aurich, Emden und Leer. In diesem Jahr haben wir das Tätigkeitsfeld auf die Landkreise Cloppenburg, Friesland und Wittmund ausgedehnt. Anfragen zeigen allerdings schon jetzt, dass darüber hinaus erheblicher Beratungsbedarf besteht.
Frage:
Gibt es überhaupt noch ausreichend Handwerker, die alte Techniken für Sanierungsarbeiten beherrschen?
Schulte to Bühne:
Es gibt in allen Gewerken noch großen Qualifizierungsbedarf. Deshalb bieten wird in Kooperation mit der Handwerkskammer Aurich im Januar einen Fortbildungskursus an, in dem der Blick für das Historische geschärft und möglichen Fehlern bei der Arbeit vorgebeugt werden soll. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Wiederbelebung alter Techniken, von dem das Handwerk erheblich profitiert. Wir sorgen für gute Arbeit, die sich dann nachhaltig auszahlt.
Frage:
Müssen Eigentümer notwendige Reparaturen an Baudenkmälern grundsätzlich aus eigener Tasche bezahlen oder gibt es Zuschüsse der öffentlichen Hand?
Schulte to Bühne:
Auf staatliche Hilfe gibt es generell keinen Anspruch, aber es gibt die vielfach unbekannte Möglichkeit einer steuerlichen Absetzung der Kosten. Der Monumentendienst selbst gibt keine direkte Finanzhilfe. Er wird von den Landkreisen unterstützt, die auf diese Weise den Denkmalbesitzern die Möglichkeit eröffnen, durch kontinuierliche Vorbeugung Schäden zu vermeiden und so Folgekosten zu sparen.