Ganderkesee/Landkreis - Der Europäischen Kommission reicht es. Was im April bereits angekündigt wurde, liegt dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg seit letzter Woche vor: Die Klage gegen die Bundesrepublik wegen der steigenden Nitratbelastung im Grundwasser und der jahrelangen Untätigkeit beim Schutz desselben. Seit Jahren, so der Vorwurf, steige die Nitratbelastung im Grundwasser, Hauptursache sei die Landwirtschaft, die zu stark mit Gülle und Mist dünge.
„Nitrat bedroht unser Grundwasservorkommen nach wie vor“, stellten Gerrit Finke und seine Kollegen vom Amt für Bodenschutz und Abfallwirtschaft des Landkreises schon Ende September fest. Der Landkreis untersucht einmal jährlich an 50 Grundwassermessstellen die Nitratbelastung. Zwar gab es im Vergleich zum Vorjahr zwölf Verbesserungen, das heißt einen Rückgang von mindesten zehn Milligramm pro Liter, dem stehen aber auch neun Verschlechterungen gegenüber. „Eine Trendumkehr ist nicht erkennbar“, so das Fazit. Allerdings führe man konstruktive Gespräche mit den Flächennutzern, zu denen auch Landwirte zählen.
Trinkwasser noch sicher
Im gesamten Landkreis wurden an 29 von 50 Messbrunnen des Amts für Bodenschutz und Abfallwirtschaft eine Nitratkonzentration festgestellt, die über dem gesetzlichen Maximalwert von 50 Milligramm pro Liter liegt, zwei davon liegen auf dem Gemeindegebiet. Einer dieser Brunnen erreichte sogar die Spitzenmarke von 141 Milligramm. Der Verein VSR-Gewässerschutz hatte im vergangenen Jahr bei einer privat eingereichten Probe aus Hengsterholz einen Spitzenwert von 205 Milligramm Nitrat festgestellt, wie Pressesprecher Harald Gülzow auf Nachfrage der NWZ bestätigte.
Auch der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) hat an seinen eigenen 65 Prüfstellen in Harpstedt, Wildeshausen und Großenkneten teils unter Wäldern sowie unter landwirtschaftlich genutzten Flächen gelegen, an 33 Stellen eine Überschreitung des Grenzwertes festgestellt. „Man muss strikt zwischen dem Grund- und Trinkwasser unterscheiden. Unser Trinkwasser ist von bester Qualität und unterliegt strengen Kontrollen“, betont OOWV-Pressesprecher Gunnar Meister. Trotzdem beobachte man die Nitratbelastung aufmerksam. „Wir sehen natürlich die Gefahr, dass die hohen Werte irgendwann unsere bedeutend tieferliegenden Brunnen erreichen.“
Landwirte aufmerksam
„Wir beobachten die Diskussion aufmerksam“, stellt Rainer Bücking, 2. stellvertretender Vorsitzender des Kreislandvolks Oldenburg im Gespräch mit der NWZ fest. Ebenso wie Gunnar Meister betont auch Bücking, dass die Düngung mit Gülle per se nicht das Problem sei: „Sie muss nur bedarfsgerecht sein.“ Das heißt: So düngen, dass die Pflanzen nur so viele Nährstoffe bekommen wie sie brauchen.
Die Klage vor dem Europäischen Gerichtshof ist der bisherige Höhepunkt einer Diskussion, die bereits seit 2012/2013 intensiv geführt wird. Was sich die Politik nun erhofft und was die Landwirte befürchten, lesen Sie in einer der nächsten Ausgaben der Nordwest-Zeitung.
