Lemwerder - Ein Arbeitsunfall, nach dem Herr Mustermann nicht an seinen ursprünglichen Arbeitsplatz bei der Fassmer-Werft zurückkehren konnte, war der fiktive Fall, um den es am Donnerstag ging. Die 9a des Gymnasiums Lemwerder hatte sich für ein Rollenspiel in Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite aufgeteilt, um den daraus entstandenen Konflikt zu verhandeln. Herr Mustermann wurde fristlos gekündigt, was er natürlich nicht einfach so hinnehmen wollte.

Michael Kuik, der an diesem Tag zu Gast war und normalerweise Betriebsleiter auf der Fassmer-Werft ist, schlüpfte dabei in die Rolle des Arbeitsrichters, um den Konflikt beider Parteien zu lösen. Begonnen wurde mit einem Vergleich. Nach kurzem Hin und Her einigten sich die Kontrahenten und ihre Anwälte auf die Zahlung einer Abfindung. Dazu gehörte auch die Unterzeichnung eines Aufhebungsvertrages. Alle Seiten schienen zufrieden. Der Arbeitgeber war seinen Arbeiter günstig und einfach los und dieser tröstete sich mit der auf den ersten Blick hohen Summe von zehn Monatsgehältern.

Alles in allem sei das eine Einigung, die für den Arbeitnehmer in diesem Fall sehr ungünstig ausgefallen wäre, erklärte Kuik anschließend den erstaunten Schülern, die auf der Arbeitnehmerseite standen. „Zehn Monatsgehälter sind nicht viel. Außerdem muss mit einer Sperre des Arbeitsamts gerechnet werden, da ja ein Aufhebungsvertrag unterzeichnet wurde“, erklärte der Betriebsleiter den Gymnasiasten.

Seit 2008 gibt es eine Kooperation zwischen dem Gymnasium Lemwerder und der Fassmer-Werft. Im Rahmen des Politik- und Wirtschaftsunterrichts können sich die Schüler eine Stunde lang dem Thema „Unternehmen“ so besonders handlungsorientiert nähern und Bekanntschaft mit den Grundlagen des Arbeitsrechts machen. Wie wichtig sowohl gründliche Recherche und überzeugende Argumentation als auch Korrespondenz oder Atteste dabei sind, lernten die Schüler so ganz besonders praxisnah an weiteren anschaulichen Beispielen.