Westerstede - In blauer Jeans, sommerlichem Karohemd und in der Hand einen großen schwarzen Kasten: So kommt Walter Junker auf das Gelände des Westersteder Draisinenbahnhofs gelaufen. Schwungvoll stellt er den schwarzen Kasten mit den orangenen Griffen auf dem Fußboden ab. Darin steckt das wichtigste Werkzeug des 68-Jährigen. Er muss nicht lange suchen, dann hat er ihn – den Maulschlüssel. Er zieht ein-, zweimal kräftig damit an einer Schraube, und schon ist die Kette der Draisine stramm.

„Fahrräder habe ich auch schon früher oft geflickt“, sagt Junker – und seine braunen Augen schauen schelmisch über den Rand seiner Brille. Deswegen ist es ein Leichtes für den Westersteder, auch Draisinen zu reparieren. Walter Junker ist der Mann, wenn es darum geht, die Gefährte zu warten.

Im Bereitschaftsdienst teilt er sich mit zwei weiteren Technikern, Willi Janssen und Robert Ries, die Arbeit während der Saison. Wenn etwas an den Draisinen kaputt ist, wird das in einem Wartungsbuch vermerkt. Per Telefon kann der Techniker gerufen werden. Einmal pro Woche werden die Draisinen überholt. „Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Kette und den Pedalen“, sagt Junker. Auch Bremsen prüfen, Schrauben nachziehen und die Sättel einstellen gehört dazu. Vor dem Bahnhofsgebäude zeigt Walter Junker, der vor dem Eintritt in die Rente Elektriker war, wie das geht. Schraube lockern, Sattel herausziehen, wieder einsetzen und mit etwas Druck in die richtige Position rücken – dem 68-Jährige geht die Arbeit schnell von der Hand, ruhig und ohne dabei zu reden, führt er die einzelnen Handgriffe aus.

Schließlich sei er handwerklich begabt, gibt Junker später zu, die Arme auf dem Tisch vor ihm überkreuzt. Und das war auch der Grund, warum ihn Hermann Börjes, Geschäftsführer der Draisinenspaß Ammerland GmbH & Co KG zu der Arbeit vor knapp vier Jahren gebracht hat. „Ich hab ihn abgeworben“, sagt Börjes. Als Junker in Rente ging, kam die Anfrage. Und: „Wir kennen uns schon lange, deswegen konnte ich das nicht abschlagen“, sagt Junker. Und seitdem repariert er gegen eine kleine Aufwandsentschädigung die Draisinen.

Zu bereuen scheint der Westersteder die Entscheidung offenbar nicht. „Es macht auf jeden Fall Spaß, und es ist keine stressige Arbeit“, sagt er. Doch an eine Herausforderung kann er sich noch erinnern. Als an einer Draisine ein Bremshebel einriss, war die große Frage: Wo bekommen die Techniker ein Schweißgerät her? „Da war schon Organisationstalent gefragt.“


Mit einem Hebel hebt Börjes die überprüfte Draisine an, um sie wieder in den Unterstand am Bahnhof zu schieben. Ein Rad rutscht weg, die Draisine liegt nicht mehr richtig auf dem Gleis auf. Walter Junker eilt herbei und hebt mit an. Schnell sitzt alles wieder. Börjes ist zufrieden. „Ich bin froh, dass ich so ein tolles Team habe“, sagt der Geschäftsführer. Ein Team, das auch außerhalb der Draisinensaison arbeitet.

Im Winter hilft Walter Junker, die Gleise instand zu halten, im Frühjahr werden Bäume und Sträucher an der Strecke beschnitten und die Draisinen generalüberholt. „Ich bin das ganze Jahr im Einsatz“, sagt Junker lachend. Er nimmt seinen schwer wirkenden Werkzeugkoffer, läuft schwungvoll zum Geräteschuppen und tritt anschließend auf dem Fahrrad seinen Heimweg an. Seine Arbeit ist getan – vorerst.