Elsfleth - Auf einem kleinen schwarz-weißen Foto an der Elsflether Kaje sind die drei Segler des Deutschen Schulschiff-Vereins zu sehen: aufgereiht liegen die beiden Vollschiffe „Großherzogin Elisabeth“, „Prinzess Eitel Friedrich“ und die Bark „Großherzog Friedrich August“ auf der Hunte.
Das ist lange her und erinnert viele Elsflether wehmütig an die Zeit, als an der Kaje noch ein reges Kommen und Gehen herrschte. Vor mehr als 100 Jahren bot sich in Elsfleth eine neue Attraktion. Denn in ihrem Liege- und Ausrüstungshafen boten die drei stolzen Segelschiffe 1914 einen wunderbaren Anblick. Wie es dazu kam, dass Elsfleth Stützpunkt dieser Windjammer wurde, und was das mit Großherzog Friedrich August von Oldenburg zu tun hat, ist von Stabsbootsmann a.D. Hans J. Ryszewski akribisch recherchiert und zusammengefasst worden.
Die Ergebnisse seiner Forschungen hat der Heimatforscher jetzt der Nordwest-Zeitung zur Verfügung gestellt. In einer NWZ-Serie wird die Gründung des Deutschen Schulschiff-Vereins (DSV) in Bremen aufgegriffen und die Geschichte ab 1900 erläutert. Eine zentrale Rolle dabei spielte Elsfleth.
Um die Jahrhundertwende (1900) zeichnete sich laut Hans Ryszewski ab, dass die große Zeit der Segelschifffahrt ihren Zenit überschritten hatte. Damit einhergehend verschwanden auch die Ausbildungsstätten für die Seeleute und Patentinhaber, die für ihre Qualifizierung Segelschiffserfahrung nachweisen mussten. 1875 gab es im Deutschen Reich noch 4300 Segelschiffe mit 87 000 Nettoregistertonnen (NRT) und 300 Dampfer mit 19 000 NRT. 1900 wurden 2300 Segelschiffe mit 56 000 NRT und 1300 Dampfer mit 1 150 000 NRT gemeldet für die deutsche Kauffahrteischifffahrt.
Die deutsche Handelsflotte benötigte jährlich einen Nachwuchs von 2000 Jungen. Die Ausbildung war so gegliedert, dass ein Vollmatrose 24 Monate Seefahrtzeit auf einem Segelschulschiff nachweisen musste, um nach dem Schiffsjungen und Leichtmatrosen zum Vollmatrosen befördert werden zu können. Der Patentinhaber benötigte zwölf weitere Monate Segelschifffahrtzeit. Diese Seefahrtzeiten auf Segelschiffen waren mit den verringerten Einheiten nicht mehr zu gewährleisten. Man suchte einen Weg, um die weiteren Qualifizierungsstandards einzuhalten, auch um international wettbewerbsfähig zu bleiben.
Aus diesem Grunde fand am 13. Januar 1900 ein Treffen in Berlin statt, an dem Persönlichkeiten aus Handel, Wirtschaft, Verkehr und Staat sich einfanden um über Abhilfe zu beraten. Den Vorsitz führte, aufgrund seiner Fachkompetenz und Ausbildung im Seemännischen Bereich, der Großherzog von Oldenburg. Dieses Treffen mit ihren fachspezifischen Beratungen führten dann zur Gründung des Deutschen Schulschiff-Vereins (DSV) in Bremen.
