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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Der unerwünschte Milliardär

17.05.2017

Warschau Den meisten Ländern wäre ein milliardenschwerer Gönner und Philanthrop wohl ein trefflicher Grund, stolz zu sein. Nicht so, wenn es sich um George Soros handelt. Der Amerikaner ungarischer Herkunft ist nicht nur in seinem Geburtsland unerwünscht, sondern auch in einer Reihe anderer Staaten Osteuropas. So sehr das Geld auch einst locken mochte, umso mehr ist mittlerweile Soros“ Unterstützung von Bürgerrechtlern und politischen Aktivisten verpönt.

Vor allem nationalistische Kreise porträtieren den 86-jährigen Milliardär und Holocaust-Überlebenden als Einmischer und Manipulator. Er nutze sein Geld, um seine Ansichten überzustülpen, heißt es. Doch auch der politischen Führung liegen derartige Vorwürfe nicht fern: Soros sei ein „amerikanischer Finanzspekulant, der Ungarn angreift“, erklärte etwa der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban. Er strebt daher die Schließung der von Soros gegründeten Central European University in Budapest an.

Nicht immer war das Engagement von Soros unwillkommen: Viele Politiker, die nun die Stimme gegen den Sponsor erheben, profitierten von seinen Zuwendungen. Seine Stipendien ermöglichten ihnen ein Studium im Westen, seine Zuschüsse förderten ihre Forschung. Auch Viktor Orban kam in den Genuss.

Noch 2012 erhielt Soros vom damaligen liberal-konservativen polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski eine der höchsten Auszeichnungen des Landes. Damit wurde sein Einsatz für die Demokratisierung nach dem Ende des Kommunismus gewürdigt. Doch auch in Polen hat sich der Wind gedreht. Die konservative Abgeordnete Krystyna Pawlowicz nannte ihn nun „den gefährlichsten Mann der Welt“. Seine Stiftungen finanzierten „anti-christliche und anti-nationale Aktivitäten“, erklärte sie im katholischen Rundfunksender Radio Maryja.

2015, mit der sprunghaften Zunahme der Flüchtlingszahlen, wurde Soros von den extrem Rechten zum Feindbild erkoren. Auf einer Anti-Flüchtlings-Kundgebung setzten Demonstranten das Bild eines orthodoxen Juden in Brand, während sie zugleich gegen den Islam und die Europäische Union wetterten. Die Figur habe den Flüchtlingsunterstützer Soros dargestellt, hieß es.

Der Chef der regierenden PiS-Partei, Jaroslaw Kaczynski, ließ derweil die Vorwürfe gegen Soros in die Beschuldigung münden, der Milliardär versuche, traditionelle Gesellschaften zu zerstören und ihnen eine multikulturelle Ausrichtung aufzuprägen. „Die Ideen von Herrn Soros, Vorstellungen von einer Gesellschaft ohne Identität, sind dienliche Ideen für Milliardäre, denn solch eine Gesellschaft lässt sich äußerst leicht manipulieren“, sagte Kaczynski. In Rumänien schlug der Vorsitzende der Regierungspartei PSD, Liviu Dragnea, in die gleiche Kerbe: Soros und dessen Arbeit habe seinem Land Übel gebracht.

„Soros ist ein willkommenes Ziel für jene, die liberale Werte und die Vision einer offenen, pluralistischen Gesellschaft ablehnen“, kommentiert Rafal Pankowski, der Chef der polnischen Anti-Rassismus-Organisation „Never Again“, diese Tendenzen. Dabei werde Soros als „zentrale Figur einer angeblichen globalen jüdischen Verschwörung“ dargestellt, und das gehe Hand in Hand mit zunehmender Fremdenfeindlichkeit. „Antisemitismus ist ein Kernelement der nationalistischen Identität in Ost- und Mitteleuropa“, sagt Pankowski.

Der Soziologe Jacek Kucharczyk, Direktor des Instituts für Öffentliche Angelegenheiten in Warschau, spricht von einer „Hexenjagd, die von autoritären rechten Populisten vorangetrieben wird“. Die Darstellung von Soros als schlechtem Einfluss habe beim russischen Präsidenten Wladimir Putin seinen Anfang genommen und breite sich spürbar aus. „Und es schwingt ein antisemitischer Unterton mit“, bestätigt auch er.

Einige schienen das Bedürfnis zu haben, „ein globales manipulierendes jüdisches Monster zu schaffen, das sie für alle Übel und Probleme verantwortlich machen können“, ergänzt Mark Weitzman vom Simon-Wiesenthal-Zentrum. Auch in Soros“ Stiftungsgruppe Open Society Foundations wird dies so eingeschätzt: „Orban nutzt George Soros als Sündenbock im Bemühen, die Aufmerksamkeit des ungarischen Volkes von wirklich wichtigen Dingen abzulenken, wie etwa die schlechter werdende Gesundheitsversorgung und Bildung“, sagt Sprecherin Laura Silber.

Sein Geburtsland hat Soros bislang mit rund 400 Millionen Dollar (366 Millionen Euro) bedacht, insgesamt gab er laut Open Society Foundations bereits zwölf Milliarden Dollar (fast elf Milliarden Euro) ab.

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