Bösel/Nordkreis - Mit gemischten Gefühlen verfolgt Dirk Preut die Nachrichten über bestätigte und vermeintliche Wolfsangriffe auf Schafe und Kälber in den vergangenen Wochen und Monaten in den benachbarten Landkreisen Oldenburg, Vechta und auch im Kreis Diepholz. In letzterem hatte es alleine im November fünf vermeintliche Wolfsangriffe gegeben. Zuletzt waren – wie berichtet – Mitte Dezember im Oyther Moor in Telbrake im Landkreis Vechta zwei Heidschnucken gerissen worden.
Wölfe breiten sich in der Region immer weiter aus, unerwartet stark. So leben nach Schätzungen im Land Niedersachsen derzeit fünf Rudel. Im vergangenen Jahr wurden mindestens 20 Welpen geboren. Derzeit beginnt wieder die Paarungszeit der Wölfe. So scheint es eine Frage der Zeit zu sein, wann Tiere auch im Nordkreis des Landkreises in Erscheinung treten.
Zumeist ernährt sich der Wolf von Schalenwild. Aber auch Schafhalter wie Dirk Preut, der an der Overlaher Straße in Bösel seinen Hof und eine Schlachtung betreibt, blicken gebannt auf die Entwicklung. Auf der einen Seite sei die erfreulich, weil die Zunahme der Wolfspopulation auf einen gesunden und reichhaltigen Wildbestand hinweise. Zudem wirke sie einer Überpopulation etwa beim Schalenwild entgegen.
Um seinen Tierbestand macht sich der Schäfer dennoch Sorgen. In diesen Tagen werden bei ihm die ersten Lämmer geboren. Bei diesem lauen Winterwetter geschieht das zwar im Stall. „Am besten wäre es, wenn es frieren würde. Lämmer, die bei klarem Frost auf dem Feld geboren werden, sind widerstandsfähiger“, schildert Preut. Doch Schafe, die Preut etwa im Vehnemoor weiden lässt, wären leichte Beute für durchziehende Wölfe.
Nicht in Gebietskulisse
Schutz würden Elektrozäune bieten, die sind teuer. Zwar gibt es Fördergelder vom Niedersächsischen Umweltministerium. Allerdings nur in bestimmten Landkreisen, in denen Wolfsvorkommen belegt sind, etwa im Landkreis Emsland. Der Landkreis Cloppenburg zählt nicht zur Gebietskulisse – noch nicht.
Wie es aussehen könnte, wenn ein Raubtier in eine Schafsherde einfällt, davon konnte sich Dirk Preut vor einigen Jahren ein Bild machen: Ein Hund hatte seine Tiere angegriffen, zweimal hintereinander mehrere Tiere gerissen. „Mit einem Hütehund konnte ich danach nicht mehr arbeiten“, schildert Preut. Auch dadurch seien ihm finanzielle Nachteile entstanden. Ob diese im Falle eines Wolfsangriffs ersetzt würden, glaubt er nicht.
Entschädigung gibt es bei einem nachgewiesenen Wolfsangriff für die getöteten Tiere.
Den nachzuweisen, ist die Aufgabe von Hermann Wreesmann aus Altenoythe. Er ist einer von 140 Wolfsberatern in Niedersachsen, war im Herbst ernannt worden und hat Mitte Dezember eine Ausbildung im Wolfscenter Dörverden absolviert. Dort hatte er etwa gelernt, wie ein Wolfsriss aussieht und wie man Genproben nimmt. Die Analyse geschieht im Niedersächsischen Landesamt für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Zu einem „Tatort“ im Nordkreis ist der Wolfsberater bislang aber noch nicht gerufen worden.
50 Kilometer pro Tag
Dass Wölfe auch im Nordkreis des Landkreises in Erscheinung treten werden, hält der Wolfsberater für relativ wahrscheinlich, dass sie den Landkreis bereits durchwandert haben, für ausgemachte Sache – schließlich bringt ein Wolf bis zu 50 Kilometer pro Tag hinter sich. Im Vehnemoor würden sich Wölfe eher nicht niederlassen, glaubt Wreesmann, die Tiere hielten sich eher an große Waldflächen. Geeigneter scheine der Bereich der Talsperre in Richtung Hümmling. Ein Rudel beanspruche eine riesige Fläche von 20 000 bis 30 000 Hektar, die es auch gegen andere Wölfe verteidige.
„Wir werden mit dem Tier leben müssen“, sagt Wreesmann und verweist auf die hohe Schutzkategorie, unter die Wölfe fallen. Darauf müssten sich Nutztierhalter und Jäger einstellen. Eine Bejagung ist strikt untersagt.
Zur Panik gebe es keinen Anlass, sagen Wreesmann und auch Schafzüchter Preut. Zur besonderen Obacht schon.
