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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Deutsche Bahn fährt ohne Rüdiger Grube

31.01.2017

Berlin Am Montagvormittag kommt es zum Eklat im Bahn-Aufsichtsrat. Am Ende wirft Bahnchef Rüdiger Grube überraschend hin. Keine Vertragsverlängerung, keine Zukunft mehr an der Spitze des Staatskonzerns. Dabei galt der neue Vertrag für Grube eigentlich nur noch als Formsache. Nun die plötzliche Zuspitzung.

Grube habe dem Kontrollgremium vorgeworfen, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben. Ihm sei zuvor eine Vertragsverlängerung um drei Jahre bis Ende 2020 zugesichert worden, er habe im Gegenzug auf eine Gehaltserhöhung und auf eine Abfindung für den Fall eines vorzeitigen Abgangs verzichtet, hieß es in Konzernkreisen. In der Sitzung waren ihm nur noch zwei Jahre Vertragslaufzeit angeboten worden – was Grube als Vertrauensbruch seitens des Eigentümers – des Bundes – interpretierte.

Nach knapp acht Jahren verlässt Grube das Unternehmen „mit sofortiger Wirkung“, fährt die Bahn ohne ihn. „Das ist in der Tat eine so nicht zu erwartende Wendung“, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).

Vor zwei Wochen beim Neujahrsempfang der Bahn hatte der 65-Jährige noch den Macher gegeben, den Krisenmanager. Ohne der Aufsichtsratssitzung am 30. Januar vorgreifen zu wollen, „möchte ich Ihnen heute sagen, dass wir als Vorstandsteam somit gut für die Zukunft aufgestellt sind“, erklärte er und kündigte an, künftig selbst federführend die Digitalisierung des Konzerns und das Sanierungsprogramm „Zukunft Bahn“ voranzutreiben.

Zwei Wochen später stellt sich die Lage anders dar. Die Bahn, die vielen in der Großen Koalition unverändert als Sanierungsfall gilt, wird vorerst kommissarisch von Finanzvorstand Richard Lutz geführt. „Der Personalausschuss ist beauftragt, zügig mit der Suche nach einem Nachfolger zu beginnen“, sagte ein Sprecher von Bundesverkehrsminister Dobrindt unserer Berliner Redaktion.

Wer kommt als zukünftiger Bahnchef in Frage? „Im Vorstand sollte jeder Einzelne so stark sein, dass er meinen Job jeden Tag machen könnte“, hatte Grube einmal gesagt. Jetzt könnte ein Mitglied des engsten Führungszirkels aufrücken. Der frühere CDU-Politiker und Kanzlerin-Vertraute Ronald Pofalla, der seit Januar im Bahn-Vorstand auch für das schwierige Thema Infrastruktur verantwortlich zeichnet, gilt als Favorit.

Im Aufsichtsrat der Bahn gibt es jedoch „erhebliche Bedenken“ gegen Pofalla als Nachfolger Grubes. Pofalla sei noch relativ neu im Unternehmen und habe als Seiteneinsteiger aus der Politik keine Erfahrung damit, als Manager einen großen Konzern zu führen, hieß es aus Teilnehmerkreisen.

Informell kommt der Union in der Großen Koalition das Vorschlagsrecht für den neuen Bahnchef zu, nachdem die SPD Detlef Scheele als neuen Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit durchgesetzt hatte. Aber wer auch immer das Amt bei der Bahn besetzt: Er steht vor einer Herkulesaufgabe.

Rasmus Buchsteiner
Korrespondentenbüro Berlin
Tel:
0441 9988 2018