Frankfurt - Nach erneuten roten Zahlen holt sich die Deutsche Bank einen neuen Finanzchef vom Erzrivalen Goldman Sachs. Marcus Schenck soll im Mai 2015 antreten. Er war vor einem Jahr zu der Investmentbank gewechselt – und zuvor Finanzvorstand beim Energieriesen Eon. Zugleich wird die Führungsriege von Deutschlands größtem Geldhaus umgebaut.

Weiter wurde am Mittwoch bekannt: Die juristischen Risiken drückten den Branchenprimus im dritten Quartal mit einem Fehlbetrag von 92 Millionen Euro in die roten Zahlen. Vor einem Jahr war noch ein Überschuss von 51 Millionen Euro ausgewiesen worden. Die ist der dritte Quartalsverlust in der seit zweieinhalb Jahren dauernden Amtszeit der Doppelspitze Jürgen Fitschen und Anshu Jain.

Da ein Großteil steuerlich nicht abzugsfähig ist, fiel die Steuerbelastung verglichen mit dem Vorjahr drastisch höher aus. Das Vorsteuerergebnis von 18 Millionen Euro von vor einem Jahr stieg indes auf 266 Millionen Euro. Dabei profitierte die Bank auch von einem wieder stärkeren Investmentbanking.

Rechtsrisiken bleiben ein großes Problem für die „Deutsche“. Dafür werden nunmehr rund drei Milliarden Euro zurückgestellt, 894 Millionen mehr als zuvor. Jain räumte ein, dass die Bank die Herausforderungen mit ihren Altlasten unterschätzt habe. Die Liste der Rechtsstreitigkeiten ist lang und einer der größten Unsicherheitsfaktoren für das Institut.

Deshalb soll es nun mit Christian Sewing einen neuen Rechtsvorstand extra für diesen Bereich geben. „Wir machen diesen Schritt, um uns auf die Abarbeitung von Rechtsstreitigkeiten zu fokussieren“, erklärten Jain und Fitschen. Bislang kümmerte sich Stephan Leithner um die Rechtsfälle. Sein Zuständigkeitsbereich wird nun gestutzt – er soll sich als Europachef stärker ums operative Geschäft kümmern.


Weitere Veränderung im Vorstand: Ein Signal für die Zukunft soll die Ausweitung der Aufgaben von Operativ-Chef Henry Ritchotte sein. Er soll sich künftig auch um digitale Themen kümmern. Diese gelten als vernachlässigt.

Impulse für Umsatz und Gewinn kamen zuletzt außer vom Investmentbanking auch aus Privatkundengeschäft und Vermögensverwaltung.