Frankfurt - Ein harter Sparkurs soll die Deutsche Bank wieder profitabler machen. Allein mit der Trennung von der Tochter Postbank will die Bank ihre Kosten um drei Milliarden Euro jährlich drücken. Zudem schließt Deutschlands größtes Geldinstitut gut jede vierte eigene Filiale in seinem Heimatmarkt und will sich aus sieben bis zehn Auslandsmärkten zurückziehen. Um rund 150 Milliarden Euro eingedampft wird auch das Kapitalmarktgeschäft.

„Wir werde nicht mehr versuchen, alles für jeden zu sein“, erklärte Co-Chef Jürgen Fitschen am Montag. Gleichwohl bekenne sich der Dax-Konzern zum Modell einer Universalbank mit Angeboten für Privatkunden, Unternehmen und Finanzprofis.

Die Weichen für den Kurswechsel hatten Vorstand und Aufsichtsrat am Freitagabend gestellt. Das radikalere Modell einer kompletten Trennung von Investmentbank und Privatkundengeschäft setzte sich nicht durch. Fitschen betonte, der Vorstand stehe „gemeinschaftlich“ hinter der Strategie, die bis 2020 ausgelegt ist.

Über die Postbank-Einsparungen hinaus will die Deutsche Bank bis dahin ihre operativen Kosten jährlich um zusätzliche 3,5 Milliarden Euro senken. Um dies zu erreichen, rechnet das Institut mit einmaligen Aufwendungen von 3,7 Milliarden Euro.

Zu den Einsparungen beitragen soll auch die Schließung von bis zu 200 der etwa 750 Filialen der Deutschen Bank inklusive Berliner Bank bis 2017. Welche Standorte betroffen sind und wie viele Stellen dem Schrumpfkurs zum Opfer fallen, blieb offen. „Wir haben noch keine Entscheidungen bezüglich der Personalmaßnahmen getroffen“, so Fitschen. Gespräche mit dem Betriebsrat hätten noch nicht begonnen. Ende 2014 zählte der Konzern weltweit 98 000 Vollzeitstellen.


Die 10 000 Tarifbeschäftigten der Postbank müssen vorerst nicht um ihre Jobs fürchten: Das Bonner Institut sichert ihnen Kündigungsschutz bis Ende Juni 2017 zu. Darauf einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft „Verdi“ am Montag. Die 5600 Mitarbeiter in den Postbank-Filialen bekommen zudem ab diesem Monat 2,1 Prozent mehr Geld und ab April 2016 weitere 2,0 Prozent mehr.

Bei der Postbank will die Deutsche Bank zunächst die verbliebenen Kleinaktionäre hinausdrängen („Squeeze-Out“). So will die Deutsche Bank, die 96,8 Prozent der Postbank-Anteile hält, bis Ende 2015 alleiniger Eigentümer des Bonner Instituts werden.

Bis Ende 2016 soll die Postbank dann wieder an die Börse gebracht werden mit dem Ziel, den Deutsche-Bank-Anteil mindestens unter 50 Prozent zu senken. Perspektivisch strebt das Management einen kompletten Ausstieg aus der Postbank an. Das Management sei zu dem Schluss gekommen, „dass sich die Postbank in Zukunft außerhalb des Deutsche-Bank-Konzerns besser entfalten kann“, erklärte Co-Chef Anshu Jain.