Frankfurt/Main - Mit drastischen Einschnitten will John Cryan die Deutsche Bank wieder in die Erfolgsspur führen: Tausende Mitarbeiter verlieren ihren Job, das Auslandsnetz wird ausgedünnt, die Aktionäre müssen erstmals in der Nachkriegsgeschichte auf eine Dividende verzichten – und das gleich für zwei Jahre in Folge (2015 und 2016).

„Wir haben uns klare Ziele gesteckt, an denen wir uns messen lassen“, sagte der neue starke Mann des Dax-Konzerns bei seinem ersten öffentlichen Auftritt am Donnerstag in Frankfurt.

Konzernweit will die Deutsche Bank künftig mit gut 25 000 Stellen weniger auskommen – etwa einem Viertel weniger als die zuletzt über 100 000. Der größte Teil davon entfällt indes auf die Postbank, von der sich der Branchenprimus trennen will. Dies allein verringert den Mitarbeiterstamm des Deutsche-Bank-Konzerns um etwa 19 000 Vollzeitkräfte, weitere 1000 kommen durch die Trennung von weiteren kleineren Geschäftsbereichen hinzu.

Im Mutterhaus der Deutschen Bank werden unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze abgebaut; gestrichen werden 14 000 Jobs, denen aber rund 5000 Neueinstellungen an anderen Stellen gegenüberstehen. Allein im deutschen Heimatmarkt fallen per Saldo 4000 Stellen fort. Wie stark der Stellenabbau die einzelnen Sparten treffen wird, führte das Management nicht aus. Insgesamt wird der Mitarbeiterstamm des Deutsche-Bank-Konzerns somit bis 2018 um ein Viertel auf etwa 77 000 Vollzeitkräfte schrumpfen.

Noch der alte Vorstand hatte im April beschlossen, bis Ende 2017 etwa 200 der 700 eigenen Filialen zu schließen. Dies werde vor allem Ballungsräume treffen, erklärte der neue Privatkundenchef Christian Sewing.


„Ich versichere ihnen, dass wir diesen Stellenabbau auf eine faire Art und Weise in Rücksprache mit unseren Betriebsräten vornehmen werden“, sagte Cryan. Die Gewerkschaft „Verdi“, deren Chef Frank Bsirske im Deutsche-Bank-Aufsichtsrat sitzt, mahnte zu einem sozialverträglichen Umbau: „Wir erwarten, dass für die Dauer des Umbaus betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden.“

Die Fokussierung auf Personalabbau und Filialschließungen sei das falsche Signal, bemängelte Konzernbetriebsratschef Alfred Herling – denn es entstehe der Eindruck, dass die Mitarbeiter die Suppe auslöffeln müssten, die ihnen das Top-Management mit Schadenersatzzahlungen und Abschreibungen in schwindelerregender Höhe eingebrockt habe, sagte er.

Seit 2012 musste die Bank allein rund 12 Milliarden Euro für Verfehlungen wie Zinsmanipulationen und fragwürdige Hypothekengeschäfte zahlen. Aktuell hat sie 4,8 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten zurückgelegt.

Investieren will Cryan in modernere Computersysteme und mehr Know-how in diesem Bereich ins Haus zurückholen. 6000 Stellen bei externen Dienstleistern sollen in diesem Zuge wegfallen.