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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Deutsche Firmen in Indien hoffen wieder

12.06.2014

Hyderabad /Mumbai Eine „gigantische Erwartungshaltung“ herrscht bei deutschen Unternehmern in Indien. Denn der frisch gekürte indische Premierminister Narendra Modi verspricht, endlich die Inflation einzudämmen, das Wachstum wieder anzukurbeln, die Steuern zu vereinfachen und lange liegengebliebene Reformen anzugehen. „Es wird sich was bewegen, davon bin ich überzeugt“, sagt Hubert Lienhard, Chef des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (ASA).

Zuletzt war der Gemütszustand eher schlecht: Die Deutsch-Indische Handelskammer spricht in ihrer Umfrage zum gerade beendeten Wirtschaftsjahr von „schleppendem Umsatzwachstum und rückläufigen Gewinnen“. Zu den größten Problemen für deutsche Firmen, die in Indien aktiv sind, gehören demnach die schleppende Entwicklung der Infrastruktur, die überbordendende Bürokratie sowie die weit verbreitete Korruption.

„Modi hat natürlich einen Vorteil: Er fängt tief an“, meint Lienhard, der auch Chef des Maschinenbauers Voith ist. In den vergangenen Jahren war die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens regelrecht in Lethargie versunken. Die Kongresspartei fällte kaum noch Entscheidungen, was das Wachstum abstürzen ließ. Die Regierung unter Manmohan Singh litt darunter, keine eigene Mehrheit zu haben, und auf die Zustimmung der oft eigenwillig agierenden Regionalparteien angewiesen zu sein.

Mit dem politischen Wandel sei nun die Hoffnung auf mehr Dynamik in der Wirtschaftspolitik verbunden, meint die Kammer. Viele Unternehmer sehen in Modi einen wirtschaftsfreundlichen Macher. „Er hat den Bundesstaat Gujarat, den er 13 Jahre lang regierte, wie ein CEO (Vorstandschef) geführt, und war sehr an Investitionen interessiert“, meint etwa Michael Thiemann, Indien-Chef des Stahlherstellers ThyssenKrupp. Er glaubt, dass Modi nun versuchen werde, die Landeswährung Rupie stabil zu halten und das - etwa im Vergleich zu China und südostasiatischen Staaten - schwache produzierende Gewerbe zu fördern.

Auch Sai Koneru, Mitgründer der deutsch-indischen Softwareentwicklungsfirma Inooga Solutions in Hyderabad, ist optimistisch. „Wenn ein Mann daran glaubt, dass ein Wandel eintreten kann, kann er auch tatsächlich geschehen.“ Derzeit fehlten ihm vor allem eine geplante Stadtentwicklung, gute Straßen und eine stabile Stromversorgung. „Zwei bis dreimal am Tag fällt hier der Strom aus, wir haben rund um die Uhr eine Notstromversorgung“, sagt Koneru.

„Doch Veränderungen werden Zeit brauchen, in fünf Jahren ist das nicht zu schaffen“, meint M.A. Gaffar, Geschäftsführer von Weiss Technik in Indien. Bislang werden die Weiss-Anlagen zur Simulation von Umweltsituationen auf dem Subkontinent nur vertrieben, aber nicht hergestellt - und das laut Gaffar bei Zollgebühren von bis zu 46 Prozent. „Aber wenn die Produktion in China ausgelastet ist und die Rahmenbedingungen in Indien stimmen, dann werden wir auch fertigen.“

Modi könne keine Wunder vollbringen, aber Hindernisse beseitigen, hofft Prasad Rao, Geschäftsführer des Industrieventilatoren-Herstellers Reitz in Indien. „Er kann die Geschäfte vereinfachen und uns Luft zum Atmen geben.“ In den vergangenen drei Jahren seien kaum Häuser gebaut worden, deswegen stünden nun Millionen von Bauvorhaben an. „Es stecken so viele Projekte in der Pipeline. Wenn diese nun die benötigten Genehmigungen erhalten, dann bekommen wir in einem halben Jahr Aufträge.“

Außerdem, meint der ASA-Vorsitzende Lienhard, sei es nun sinnvoll, Leuchtturmprojekte wie die Einführung einer Mehrwertsteuer umzusetzen, an der Indien seit Jahrzehnten arbeitet. Auch eine Deregulierung des Bankensektors sei ratsam, damit die Unternehmen erkennen könnten: „Aha, jetzt bewegt sich was.“ Die deutsche Industrie ist laut Lienhard in Indien in allen Bereichen vertreten und gut aufgestellt. „Wir sind bereit, und können sofort loslegen, sobald positive Investitionssignale kommen.“

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