Berlin/Paris - Die deutsche Wirtschaft enteilt der europäischen Konkurrenz immer weiter. In ihrem jüngsten Zwischenbericht zur Konjunktur prognostiziert die internationale Wirtschaftsorganisation OECD für die Bundesrepublik ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent. Das ist für sich betrachtet nicht viel, kommt jedoch im Vergleich zu kriselnden Ländern wie Italien oder Frankreich einem Aufschwung gleich.

Die Eurozone insgesamt hinke bei der Konjunktur anderen Regionen der Welt hinterher, sagte OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan. Zudem sei das Wachstum innerhalb des Währungsgebiets ungleich verteilt. „Wir brauchen entschiedene politische Schritte, um ein nachhaltiges Wachstum zu erzielen.“

Wegen der großen wirtschaftlichen Unterschiede in Europa empfehlen die Experten eine weitere Lockerung der Geldpolitik – und legen der Europäischen Zentralbank eine weitere Zinssenkung nahe. Die Leitzinsen seien bereits sehr niedrig, aber es gebe weiteren Spielraum, heißt es in der in Paris vorgestellten Analyse. Um das Wachstum anzukurbeln, solle den Regierungen erlaubt werden, ihre Defizitziele zu verfehlen. Sorgen bereitet der OECD auch der Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit.

Konkret erwarten die Konjunkturexperten im ersten Quartal in Deutschland ein Wachstum von 0,6 Prozent . Ein ebenso großes Plus sagen sie für den Zeitraum April bis Ende Juni voraus.

Italien wird dagegen dem Bericht zufolge bis Mitte des Jahres nicht aus der Rezession herausfinden. Auch in der nach Deutschland zweitgrößten Euro-Volkswirtschaft Frankreich dürfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2013 noch sinken. Erst im zweiten Quartal erwartet die OECD ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent.


Lob gab es für die bisherigen Reformanstrengungen von Staaten wie Griechenland, Irland, Portugal und Spanien. Sie seien eine gute Basis für einen Wiederaufschwung, kommentierte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit Sitz in Nürnberg ist optimistisch. Sie rechnet mit „einer soliden Entwicklung“ des Arbeitsmarktes. Allerdings bremste der lang anhaltende Winter den Frühjahrsaufschwung und ließ die Zahl der Erwerbslosen deutlich schwächer sinken als in den Jahren zuvor.