Berlin/Washington - Die Industrieländer-Organisation OECD (Paris) hat Deutschland zu zusätzlichen Investitionen und weiteren Reformen aufgefordert. „Deutschland muss jetzt seine Stärke nutzen, um sich für die Zukunft vorzubereiten, insbesondere durch eine erfolgreiche Integration von Flüchtlingen mit Bleibeperspektive“, sagte der Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Ángel Gurría, am Dienstag in Berlin bei der Vorlage des Wirtschaftsberichts für Deutschland.

Nach einem Plus von 1,3 Prozent in diesem Jahr dürfte die deutsche Wirtschaft demnach 2016 um 1,7 Prozent zulegen. Dennoch sieht die OECD aber Reformbedarf in der Renten-, Steuer- und Arbeitsmarktpolitik.

Der Bevölkerungszuzug und die Integration von Flüchtlingen seien eine Chance, um der rapiden Alterung der Gesellschaft entgegenzuwirken und die Basis für eine breit aufgestellte und produktive Wirtschaft zu legen. Für eine erfolgreiche Integration der Migranten seien Investitionen in Sprachkurse und Weiterbildung sowie ein rascher Zugang zum Arbeitsmarkt und aktiven Arbeitsmarktprogrammen wichtig.

Die OECD bescheinigt Deutschland eine „solide wirtschaftliche Verfassung“. Zuletzt seien aber Wachstum und Unternehmensinvestitionen schwächer ausgefallen als in Hocheinkommensländern außerhalb des Euroraums. Das Wachstum der Arbeitsproduktivität habe nachgelassen.

Die OECD plädiert dafür, das Renteneintrittsalter weiter anzuheben. Sonst werde das Haushaltsdefizit steigen. Wie andere Länder sollte Deutschland das Rentenalter an die Lebenserwartung koppeln. Auch das Steuersystem müsse reformiert werden: „Die Steuer- und Abgabenbelastung des Faktors Arbeit ist in Deutschland höher als in vielen anderen OECD-Volkswirtschaften“.


Höhere Investitionen seien entscheidend, „um die Produktivität und den Lebensstandard zu steigern“, mahnen die OECD-Experten. Angekurbelt werden sollten auch Investitionen in Bildung, in lebenslanges Lernen und in soziale Dienstleistungen. Verstärkt werden sollten auch öffentliche Investitionen in finanzschwachen Kommunen.