Oldenburg - Wie geht es weiter im Kampf gegen die Luftverschmutzung? Vor allem die überhöhten Messwerte am Heiligengeistwall setzen die Stadt unter Zugzwang. „Entschieden ist noch gar nichts“, betonte eine Sprecherin am Dienstag gegenüber der NWZ . „Wir arbeiten an einem Gesamtpaket zur Luftreinhaltung. Aber welche Maßnahmen das umfasst, ist offen.“
Die vom Bundesumweltministerium favorisierte „Blaue Plakette“ würde vorschreiben, dass Fahrzeuge mit schlechten Abgaswerten in bestimmte Zonen nicht mehr fahren dürften. Mehrere Städte in Niedersachsen, darunter Oldenburg, schließen solche Verbote als letzte Möglichkeit nicht aus (NWZ berichtete).
„Das bringt gar nichts“
Die Reaktionen auf die Pläne reichen von Unterstützung bis heftige Kritik. „Rein gar nichts“ hält Claus Marinesse von einer „Blauen Plakette“. Das langjährige Vorstandsmitglied im ADAC Weser-Ems erwartet, dass diese Initiative ergebnislos versanden würde, „wie alle bisherigen Plaketten auch“, sagt der Oldenburger, der sein Amt aus Altersgründen im vergangenen Jahr abgegeben hat. Marinesse fordert, zunächst den Anteil des Autoverkehrs an Stickoxiden zu messen. „Und welchen Anteil haben Industrie, Heizungen und andere Quellen?“
Das Problem sei durch die Verkehrsplanung verschärft worden, kritisiert Manesse. Bei Sanierungen zum Beispiel auf der Cloppenburger- oder der Hauptstraße sei der Verkehrsfluss bewusst gehemmt worden. „Notwendig wäre es, den Verkehr im Fluss zu halten.“ Der Rückbau von Bushaltestellen und die Verengung von Fahrbahnen beförderten Staus. Da besonders das Anfahren Stickoxide produziere, steige durch Staus die Luftverschmutzung. Auch am Heiligengeistwall, so Marinesse, würde sich ein besserer Verkehrsfluss günstig auf die Messwerte auswirken.
Wie hoch im Kurs der Individualverkehr bei den Bürgern steht, zeigt ein Blick auf die Zahl der im Stadtgebiet zugelassenen Fahrzeuge. Der hohe Wert von gut 82 000 Fahrzeugen Anfang 2015 ist bis Anfang 2016 nochmals um mehr als 1000 gestiegen.
Die Zahlen zeigen außerdem, dass sich Dieselfahrzeuge steigender Beliebtheit erfreuen. Der Anteil hat fast ein Drittel aller zugelassenen Fahrzeuge erreicht. Zwar werden die „Stinker“ weniger. Aber Fahrzeuge der Emissionsgruppe Euro 6 (nur noch geringer Schadstoffausstoß) machen erst weniger als zehn Prozent der Diesel-Autos aus. Nach den Plänen des Bundes würden unter anderem nur noch Diesel mit der Norm Euro 6 eine „Blaue Plakette“ erhalten und könnten damit in Umweltzonen fahren.
Handel: noch kein Thema
Der Autohandel verfolgt die Debatte aufmerksam, stellt aber noch keine Auswirkungen auf Kaufentscheidungen fest. Bei den Kunden des Volkswagen Zentrums Oldenburg, das zur Braasch-Gruppe zählt, sind Umweltzonen beispielsweise bislang noch kein Thema. Das berichtet auf Anfrage der NWZ VW-Zentrum-Geschäftsführer Ingo Bodenstab. „Wir warten darauf, dass es dazu mehr Informationen gibt“, sagt er, „dann kann sich das ändern“. Bei Mercedes Senger kann man keine Aussage zu dem Thema machen. Verkaufsberaterin Sabrina Rosenbohm von der BMW-Freese-Gruppe erklärt, dass ihre Kunden nicht explizit nach Plaketten fragten. „Das ist hier derzeit kein Thema.“
Auch in der Max-Planck-Gesellschaft, eine der führenden Einrichtungen für Grundlagenforschung, spürt man dem Feinstaub nach. Vor allem die kleinsten Partikel mit maximal 2,5 Mikrometern im Durchmesser gelten als gesundheitsschädlich. Wissenschaftler um Johannes Lelieveld stellten bereits 2010 fest, dass dort, wo sich besonders viel Feinstaub in der Luft konzentriert, die Zahl tödlich verlaufender Schlaganfälle, Herzleiden und Atemwegserkrankungen erhöht ist. Was sich daraus konkret ergibt, sagen aber auch Forscher nicht.
