Hannover - Ein schockierendes Bild: Tote Tiere liegen vor dem Landtag. Mit den Kadavern von Schafen, Rehen und Rindern mitten auf dem Weihnachtsmarkt protestieren Niedersachsens Nutztierhalter gegen die zunehmende Zahl von Wolfsrissen. Überall Plakate: „Wölfe zerstören unsere Zukunft.“ Martin Holm, Vorsitzender der Mutterkuhhalter, spricht von „katastrophalen Zuständen“ für die Betroffenen, weil selbst Zäune die Wölfe nicht abhalten.

In Südergellersen wurden allein im Dezember zwölf Schafe und im Landkreis Uelzen 23 Stück Damwild gerissen. Die Weidetierhalter fordern die „Entnahme“ von besonders aggressiven Wölfen wie der „Wölfin von Goldenstedt“.

Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne), der nicht zu den Wolf-Geschädigten rausgeht, spricht im Plenum von einer „leichten Entspannung bei Wolfsrissen“. Die Zahlen seien rückläufig im Jahresvergleich – von 47 Wolfsangriffen mit 118 toten Tieren auf 38 Übergriffe mit 96 verendeten Tieren. Der FDP-Wolfsexperte Gero Hocker vermutet eine viel höhere Opferzahl durch die mittlerweile etwa 80 Wölfe in Niedersachsen.

Wenzel („Schäfer liegen mir besonders am Herzen“) fordert die Züchter zu besserem Schutz ihrer Tiere auf. Elektrozäune, Schutzhunde und Esel seien eine gute Abwehr. Im übrigen würden Wölfe zu „92,2 Prozent“ Wildtiere reißen, rechnet der Minister vor, der allerdings den Weidetierhaltern auch Landeshilfen anbietet. Das reiche von Unterstützung beim Zaunbau bis zu unbürokratischem Schadensausgleich. Wenzel will ein neues „Meldesystem direkt zum Wolfsbüro“ etablieren. „Wir werden alles tun, um bestmögliche Abhilfen zu schaffen“, verspricht Wenzel, der daran erinnert, dass die „Entnahme“ von Wölfen durch Artenschutzabkommen „an sehr strenge Kriterien gebunden“ sei. Der Minister räumt zugleich ein: „Möglich, dass am Ende der beste Zaun versagt. Dann ist eine Entnahme möglich.

Die Umweltorganisation Nabu warnte vor einer Aufweichung des Schutzstatus’ für Wölfe: „Wir brauchen keine Begrenzung der Wolfsbestände, sondern bestenfalls eine Optimierung im bestehenden und bewährten Wolfsmanagement“, teilte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller mit. Der Landesverband sehe durchaus den Konflikt mit Nutztierhaltern und nehme deren Bedenken bei der Rückkehr der Wölfe ernst. Zugleich forderte Leif die Politk zu einem klaren Bekenntnis zum Schutz der Wölfe auf. „Obwohl die Zuwachsraten der Wolfspopulation in Deutschland derzeit als hoch empfunden werden, sind die gegenwärtigen Wachstumsraten aus biologischer Sicht normal“, heißt es in einer Mitteilung. Der bundesweite Bestand mit aktuell 46 Rudeln sei keinesfalls ausreichend stabil.