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Gülle Die einen haben zu viel, andere zu wenig

Klaus–peter Jordan

Oldenburg - Für die einen ist es stinkendes Exkrement von Schweinen und Hühnern, für die anderen ist es wertvoller organischer Wirtschaftsdünger – die Gülle. Beides stimmt. Das Problem: In den Veredlungshochburgen im nordwestlichen Niedersachsen quellen die Ställe über von Gülle, weil zu viele Mast-Tiere zu viel Gülle produzieren, mehr als Felder für die Düngung damit vorhanden sind. Die Gülle muss also weg – am besten dorthin, wo es zu wenig von diesem Dünger gibt, in die Ackerbauregionen in Ost-Niedersachsen und Ostdeutschland. Aber wie?

Kreislauf herstellen

Das Zauberwort beim Gülle-Management heißt: Schließung des Nährstoffkreislaufs. „Früher gab es den auf jedem Bauernhof“, weiß Dr. Hans-Heinrich Kowalewsky, Fachbereichsleiter und Koordinator für die Energieberatung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Der optimale Nährstoffkreislauf sieht für ihn so aus: Mit der Gülle der Nutztiere, die die wichtigen Nährstoffe Phosphat und Stickstoff enthält, wird der Ackerboden gedüngt, auf dem u.a. Getreide wächst, das zum Teil als Futtermittel wieder an die Nutztiere verfüttert wird. Als Optimierung könnte noch eine Biogasanlage dazwischengeschaltet sein, die Ökostrom und -wärme produziert.

Bereits heute werden jedes Jahr Millionen von Tonnen Gülle mit Lkw, aber auch schon einmal mit Schiffen aus dem Oldenburger Münsterland in andere Regionen gekarrt – ein wahrer Gülle-Tourismus. Dort kann die Gülle aber nicht immer gleich ausgebracht werden. Also müssen vor Ort Lagerstätten gebaut werden. „Der früher vorhanden Widerstand der Bevölkerung dort schwindet langsam“, hat Kowalewsky festgestellt. Die Lager müssten aber emissionsfrei sein – heißt: keine Geruchsbelästigung. Vor-Ort-Lager hätten auch den Vorteil, dass die Lkws ganzjährig fahren können und die Gülle dann vor Ort bereitsteht, wenn sie gebraucht wird. „Das Interesse der Bauern dort ist jedenfalls riesengroß, denn Gülle ist preiswerter als Mineraldünger“, so der Kammer-Experte.

Die Gülle-Spediteure haben inzwischen auch Lösungen für den teuren Gülle-Transport entwickelt. Sie fahren nun mit Zwei-Kammer-Lkw. In der einen Kammer wird flüssige Gülle nach Osten gefahren, in der anderen Kammer zum Beispiel Futtermittel auf dem Rückweg nach Westen. Das senkt die Kosten. Die Genossenschaft GS Agri in Cloppenburg ist hier ein Vorreiter.

Diese Transporte ändern aber nichts daran, dass vorrangig Wasser durch die Gegend gefahren wird, denn Gülle ist zu 90 Prozent Wasser. Vor allem im Oldenburger Münsterland arbeiten daher Firmen daran, aus Gülle hier vor Ort die wichtigen Rohstoffe zu entziehen, die dann als Trockenmasse viel effizienter transportiert werden können. Das Wasser will man in öffentliche Fließgewässer einlassen.


Hohe Kosten

Während man im Oldenburger Münsterland solche Lösungen nahezu euphorisch bejubelt, ist Kowalewsky eher skeptisch. „Die Kosten einer solchen Anlage wären sehr hoch; die Pilotanlagen arbeiten nicht störungsfrei.“ Außerdem habe man es bisher noch nicht geschafft, das Wasser trotz bis zu siebenstufiger Aufbereitung „Vorfluter-reif“ zu bekommen – heißt: es darf gar nicht in öffentliche Gewässer eingeleitet werden. Und wo so eine Anlage im großen Stil ohne Widerstand der Anwohner entstehen soll, dürfte ein weiteres Problem sein.

Die Niedersächsische Landesregierung schaut sich die Gülle-Aktivitäten im Oldenburger Münsterland von Hannover aus an. Der eine oder andere Lösungsansatz wird auch wohlwollend begleitet. Letztendlich strebt zumindest Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) aber eine ganz andere Lösung an: „Niedersachsen hat im Westen deutlich zu hohe und nicht flächenangepasste Tierbestände.“ Heißt im Klartext: Die Zahl an Gülle-produzierendem Geflügel und an Schweinen hier muss drastisch sinken.

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